Jahrgang 
2 (1861)
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Von Moritz Horſt. 7

Ein ſonderbares dunkles Gerücht ging umher, der Schwager des Verſtorbe⸗ nen bekämpfte es aber, und es erloſch auch bald wieder man erzählte nämlich von einem Duell zwiſchen dem Grafen Asling und Graf Herben⸗ ſtein, nur habe man, um jeden Verdacht von der Gräfin fern zu halten, zur Entſcheidung durch das Loos gegriffen das Todesloos habe den be⸗ leidigten Gatten getroffen, und am Ende des zur Ordnung ſeines Hauſes geforderten Aufſchubs habe ſich der Graf, der eingegangenen Verpflichtung

gemäß, erſchoſſen. Der Graf habe dieſen Ausgang ſehnlichſt gewünſcht,

da er nach getroffener Uebereinkunft im entgegengeſetzten Falle der Schul⸗ digen vollſtändig zu verzeihen ſich verpflichtet hatte, während ſeinerſeits der Gegner gelobte, der Wittwe ſeinen Namen und Schutz zu geben.

Ueber die zweite Ehe der Gräfin erfuhr man nie Genaues; ich, der Wochen in ihrem Hauſe verlebte, ahnte wohl, daß es keine glückliche ſei, aber keine Klage, keine Andeutung, nicht einmal ein Seufzer verrieth eine Unzufriedenheit der ſtolzen Frau. Sie begegnete ihrem Gemahl mit der ausgezeichnetſten Rückſicht, ſchien ſeine Fehler und Ausſchweifungen nicht einmal zu ahnen, und zwang durch dieſes Benehmen auch ihn zu Rück⸗ ſicht und einer gewiſſen Mäßigung. Graf Herbenſtein war leichtſinnig und grundſatzlos, aber nicht böswillig. Deſto idealer war das Verhält⸗ niß der Gräfin zu ihrem Sohne ich habe ein edleres nie gekannt, nicht einmal ein gleiches. Eckbert hatte feſt darauf beſtanden in Wien und alſo in der Nähe ſeiner Mutter zu bleiben, und das Verhältniß verklärte ſich mit jedem Jahre, welches den Knaben zum Mann emporwachſen ließ. Die andern Kinder, ganz dem Einfluſſe der väterlichen Verwandten preisgege⸗ ben, waren der Mutter und ſelbſt Eckbert entfremdet. Eckbert war als der älteſte Sohn ſehr reich, allein er hatte ſeiner Mutter gelobt, nicht früher ſeine ganze Einnahme für ſich allein zu verbrauchen, bis ſeine Ge⸗ ſchwiſter verſorgt ſeien, und er hat Wort gehalten. Seine Schweſtern ſind beide von ihm dotirt und ſtandesgemäß verheirathet; ſein Bruder, ebenfalls von ihm unterſtützt, iſt einer der reichſten Standesherren in Schle⸗ ſien und hätte die reiche polniſch⸗preußiſche Erbin nie bekommen, wenn nicht Eckbert ſich verpflichtete, das mit Schulden übernommene Gut des Bruders durch einige Jahre Einſchränkung ſeinerſeits ſchuldenfrei zu machen.

Wie ſoll ich euch nun Eckbert ſelbſt ſchildern, ohne daß ihr mich der Parteilichkeit beſchuldigt! Er war ein ungewöhnlicher Menſch, und ſo