Der blonde Eckbert.
haben; man weiß von teinem unvermählten Asling, die Gallerie in As⸗ ling weist eine ununterbrochene Reihenfolge ſchöner Frauen und Männer auf, auffallend hochgewachſene, ſchlanke, kräftige Geſtalten, wenn nicht im⸗ mer bedeutende, doch ſtets regelmäßige und edle Züge, kühne, offene Augen und durchgängig mit lichtblondem Haar.
„In dem letztverſtorbenen Grafen Asling, Eckberts Vater, und deſſen Gemahlin ſchien das Glück des blühenden, geſegneten Geſchlechts zu voll⸗ ſter Entfaltung gelangen zu ſollen; die Liebenswürdigkeit und Schönheit der Frau, die heitere Güte und edle Ritterlichkeit des Mannes, ihr in zehn Jahren unverändertes häusliches Glück, die behaglichen Vermögenszuſtände des gaſtfreien, geſelligen Hauſes waren allbekannt— da änderte ein un⸗ ſeliger Zufall alles. Der Graf gab eine große Jagd, und ſeine Gemah⸗ lin fuhr mit mehreren Damen zu der zum Frühſtücksplatz beſtimmten Waldlichtung. Die Herren kamen faſt alle zugleich mit den Damen dort an, der Graf, deſſen liebevolle Aufmerkſamkeit gegen ſeine Frau ſprich⸗ wörtlich war, ſprang über einen gefällten Baum, um ihr aus dem Wa⸗ gen zu helfen, dabei entlud ſich ſein Gewehr, und er ſtürzte todt zu ihren Füßen nieder. Es war wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Das eheliche Glück der Gatten war allgemein bekannt, man hatte die Frau oft um den liebenswürdigen Gemahl, um die vier blühenden Kinder beneidet; jetzt lag ſie verzweifelnd an ſeinem Sarge, man glaubte, ſie werde es nicht über⸗ leben.
„Dennoch überlebte ſie den Schlag, ja es geſchah noch viel unerwar⸗
teteres. Die Gräfin verließ einen Monat ſpäter Schloß Asling, um nie 4
mehr dorthin zurückzukehren, und reiste mit ihren beiden Söhnen nach Italien, dort ihr Trauerjahr zu verleben und als Gräfin Herbenſtein zu⸗ rückzukehren.— Das Seltſamſte von allem war aber das Teſtament des Grafen, welches ſich, vor kurzem abgefaßt, rechtsgültig vorfand. Es ent⸗ zog der Mutter die Vormundſchaft über die Kinder, dieſelbe des Grafen Schweſter und deren Gatten übertragend, und beſtimmte der an Reich⸗ thum und Glanz gewöhnten Frau ein für die Verlaſſenſchaft des Grafen unverhältnißmäßig geringes Wittthum, welches kaum ein Viertel des von der Gräfin zugebrachten Vermögens betrug. Man glaubte, die Wittwe werde dieſes ungerechte Teſtament umſtoßen, allein ſie that es nicht, ſie fügte ſich in alles und ertrug ſelbſt ohne Murren die offen zur Schau ge⸗ tragene Feindſchaft der Verwandten ihres Gatten— ſie wich ihr nur aus.
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