Jahrgang 
2 (1861)
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Von Moritz Horſt. 5

nem Freunde beſonders liebe Kameraden, faſt Freunde. Wäre der Schlag, der ihn betroffen, ihm nicht ſo ſchmerzlich überraſchend gekommen, er hätte uns wohl eine Erklärung nicht verſagt. Gib du ſie alſo, denn wenn auch ich mancherlei aus anderen Quellen über jenen unglücklichen Todesfall er⸗ fahren habe, unſer Freund weiß wenig von der Geſchichte; ich habe ſie ihm nie erzählt, obgleich mich keine Rückſicht zum Schweigen zwingt. Er⸗ zähle ihm alſo, was im Ganzen doch kein Geheimniß iſt.

Edward hatte dieſe letzten Worte mit einem tiefen Seufzer beantwor⸗ tet. Er war an's Fenſter getreten und blickte lange ſchweigend in die finſtere, ſtürmiſche Nacht hinaus, endlich kehrte er auf ſeinen Platz zurück. Du haſt recht, ſagte er düſter;die Geſchichte der armen Gräfin war in Wien Stadtgeſpräch, und wie ſchmerzlich entſtellt und verzerrt! Und dennoch iſt mir zu Muthe, als riſſe ich Eckberts Wunden alle wieder auf, indem ich das Geheimniß der Frau, die wir beide über alles verehrt und geliebt haben, preisgebe, um ſie zu vertheidigen! Und hat ſie nicht zu⸗ letzt alle Schuld gebüßt?Eben deßhalb dürfen wir ſelbſt ohne ein verdammendes Wort von ihr nicht als von einer Unglücklichen ſprechen, und du biſt ihr ſchuldig, ihr Andenken vor Mißdeutung zu wahren, ent⸗ gegnete Ahlfeldt.Glaube mir, Edward, auch dein Schmerz wird milder werden, wenn du ihn einmal in Worten ausgeſprochen haſt. Erzähle.

Edward ſeufzte tief auf und rückte den Lichtſchirm ſo, daß er ſein Geſicht beſchattete, dann begann er:Der Name der Grafen Asling kommt erſt ſeit dem Ende des dreißigjährigen Krieges in Oeſterreich vor. Wäh⸗ rend deſſelben wurde ein Herr von Asling, der als Feldhauptmann unter Wallenſtein gedient, wahrſcheinlich durch deſſen Gunſt mit einer jener böh⸗ miſchen Herrſchaften belehnt, die durch die Zerſprengung der mächtigen, proteſtantiſchen Adelskette herrenlos geworden, auch wurde er, Gott weiß um welcher Heldenthaten und Verdienſte willen, in den Grafenſtand er⸗ hoben. Seitdem erſcheint der Name bei allen Gelegenheiten, in denen das Haus Habsburg ſeine Adler auf irgend einem Schlachtfelde flattern ließ, nie in den Annalen der Diplomatie oder bei Hofämtern; die Asling alle waren, wie ihr Ahnherr, tapfre Degen, loyale Unterthanen, leidenſchaft⸗ liche Jäger, wohlwollende Herren und gaſtfreie, lebensluſtige Cavaliere; ſie zogen es vor, unabhängige Edelleute auf ihren Beſitzungen zu ſein und ſtellten ſich ihrem Lehensherrn nur vor, wo er ihren Degen und ihren Arm brauchte. Dabei müſſen ſie alle viel Sinn für Häuslichkeit gehabt