4 Der blonde Eckbert.
als Sohn geliebt, oder ob dieſe Liebe einen anderen Charakter hatte— genug es war die beſte Liebe meines Lebens, die ich ihr gewidmet habe, und die Erinnerung an dieſe Frau iſt mein Schutzgeiſt geworden in mancher Stunde.“
Ich hatte die Dame nur des Abends in reicher, gewählter Kleidung und ſtrahlend von Schmuck geſehen und das allgemeine Urtheil, welches ſie für eine der ſchönſten Frauen in ihrem Kreiſe erklärte, ſtets gerecht gefunden, dennoch fand ich das Geſtändniß des fünfzehn Jahr jüngeren Mannes etwas ſonderbar.„Wie alt war die Gräfin, als ſie ſtarb?“ fragte ich.—„Sie heirathete mit fünfzehn Jahren, und Eckbert war ihr erſtge⸗ bornes Kind; er hatte ſechsundzwanzig Jahre, als ſie ſtarb,“ verſetzte er.
Ich hatte mehr als ihre Schönheit, ihre wunderbare, ganz königliche Grazie und Liebenswürdigkeit bewundert, ſie lebte in meinem Gedächtniß als das Ideal vornehmer Würde bei gewinnendſter Freundlichkeit und ſel⸗ tenſter Bildung. Dennoch war der maßloſe Schmerz des Sohnes, ja ſeine gänzliche Verwandlung mir räthſelhaft und ich ſprach dies auch gegen Edward aus.„Dieſe ſonderbare Umwandlung eines heiteren, wahrhaft ge⸗ bildeten und lebenskräftigen Mannes, in einen menſchenſcheuen Einſiedler, wirft dennoch einen Schatten auf Eckberts Charakterſtärke,“ ſagte ich.„Er erſcheint als ein moderner Anteus, deſſen Lebenskraft in der ſtärkeren Na⸗ tur der Mutter wurzelte und mit dieſer gebrochen wurde. Eigentliche Cha⸗ rakterſtärke zu zeigen, hatte der verwöhnte Sohn des Glückes bis dahin ohnedies nicht nöthig gehabt; wankelmüthig und veränderlich aber hatte
er ſich ſchon früher, Adele von Lingenn gegenüber, bewieſen, treulos und undankbar aber gegen die arme Gabriella. Die arme Kleine iſt an ſeiner Untreue faſt geſtorben, und die ſchöne Adele hat ebenſo an der Seite ihres leidenſchaftlichen, leichtſinnigen Gatten kein Glück gefunden.“
Edward war, während ich ſprach, ungeduldig und wie im Kampfe mit ſeiner Heftigkeit im Zimmer auf- und abgegangen; jetzt blieb er vor Eckberts Bilde ſtehen.—„Armer Eckbert!“ rief er.„Der ſo ſpricht, war auch einſt dein Freund und du haſt ihm, wie jedem, der in deine Nähe kam, nur Freundlichkeit erwieſen! Er iſt auch ſonſt ein wohlwollen⸗ der Menſch, und doch klagt er dich an, weil ihm deine Handlungsweiſe nicht verſtändlich iſt!“—„Nun, lieber Döring,“ ſagte der bis dahin
ſchweigſame Eugen Ahlefeldt, indem er mir zu ſchweigen zuwinkte,„dem könnteſt du leicht abhelfen. Wir waren beide, wie du uns oft geſagt, dei⸗
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