Von Moritz Horſt. 3
an dieſem langweilig grauen Winterabende einen Sonnenſtrahl auf unſre abgeſpannten Geſichter, das Bild ſchien aus ſeinen Rahmen herabzuſtei⸗ gen, er ſtand wieder mitten unter uns, der heitre, lebensluſtige Graf As⸗ ling— wo mochte er wohl zu dieſer Stunde ſein?
„Weißt du nichts von ihm?“ fragte ich ſeinen Freund;„ſitzt er noch in ſeinen böhmiſchen Wäldern auf ſeinem finſteren Schloſſe, oder hat er ſich aufgerafft und iſt wieder der alte lebensluſtige Eckbert Asling und jetzt zur Stunde der Held der Prager oder Wiener ariſtokratiſchen Sa⸗ lons?“—„Er iſt noch in Asling,“ entgegnete der Gefragte,„und denkt noch für lange Zeit nicht daran, in die Geſellſchaft zurückzukehren. Und wenn er je in dieſelbe zurückkehrt,— ſicher müſſen darüber noch Jahre vergehen— ſo wird er doch nicht mehr der alte, ſorgloſe, liebenswürdige Eckbert ſein. Den haben ſie zugleich mit ſeiner Mutter begraben, und der jetzt da, iſt kein ſchlechterer Mann zwar, aber ein anderer!“ Der junge Mann war ernſt, faſt trüb und wirklich bleich geworden, als er ſprach, ſeine Augen ſtarrten düſter in die Flammen und er ſtützte die Stirn, als ob ihm ſeine Gedanken Schmerzen bereiteten, müde in die Hand.
„Dennoch mußt du eingeſtehen, daß Eckberts Trauer um ſeine Mut⸗
ter übertrieben iſt,“ fuhr ich fort, denn das Geſpräch begann von neuem
zu ſtocken.„Der Tod der Eltern vor dem der Kinder iſt im natürlichen Verlaufe der Dinge begründet, und war immerhin die Gräfin Herbenſtein, als ſie ſtarb, eine Frau in der Blüthe der Jahre, ihr Tod erſchreckend plötzlich und unerwartet, ſo iſt doch ein ſolcher Fall kein unerhörtes, nie dageweſenes Unglück, und des Sohnes maßloſe Trauer und vollſtändige Verwandlung ſind mindeſtens ſonderbar.“—„Kannteſt du die Gräfin Herbenſtein?“ fragte Edward zurück.—„Flüchtig, aus Geſellſchaften. Ich traf ſie in Wien hier und dort und ziemlich oft.“—„Und war ſie freund⸗ lich gegen dich, das heißt, freundlicher als ſie aus Grundſatz gegen jeder⸗ mann und immer war?“—„Sie war eine hochgefeierte und vornehme Frau, ich ein unbedeutender junger Offizier— nein.“
Eine leichte Röthe überflog Edwards Geſicht, als er faſt zögernd ſagte:„Ich aber war Eckberts Schulkamerad, ſein Jugendfreund und Stu⸗ diengenoſſe, wir wurden am gleichen Tage in demſelben Regimente Offi⸗ ziere, die Gräfin nannte mich ihren zweiten Sohn, ich habe Wochen lang in ihrem Hauſe gelebt und Eckbert mehr als einen Bruder geliebt. Meine eigene Mutter habe ich nie gekannt, und ich weiß nicht, habe ich die Gräfin
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