2 Der blonde Eckbert.
nein, ein Bild beſaßen wir doch, oder eigentlich der älteſte von uns, der Hauptmann von Döring, und dieſes Bild hing mitten unter den Waffen an der Hauptwand des Zimmers, jetzt in der halben Dunkelheit nicht deutlich erkennbar. Es war, ich kannte es genau genug, um mit der Phantaſie zu ergänzen, was das mangelnde Licht verbarg, in gewiſſer Weiſe dem Stuartbilde von van Dyk ähnlich, welches ſich in Berlin be⸗ findet, ein Reiter und ſein Roß, und verrieth die Hand eines begabten und denkenden Künſtlers. Aus dem grauen, dunklen Hintergrunde hob ſich die ſchlanke leichte Geſtalt eines etwa fünfundzwanzigjährigen Mannes ab, ein ſchmales Geſicht von vornehmem Schnitt, aber edlem geiſtigem Ausdruck, klare, ſtolze, graue Augen, voll Heiterkeit und Güte, feine geiſt⸗ reiche Lippen, eine edle Stirn und dieſe von einer Fülle reicher, ſehr hell⸗ blonder Locken umgeben. Der junge Mann trug über der Uniform unſe⸗ res Regimentes den grauen faltigen Reitermantel, die eine Hand leicht auf die Hüfte geſtemmt, mit der andern ſein edles, feingegliedertes Roß am Zügel haltend, deſſen ſchöner Kopf, in glücklichſter Lebendigkeit wie⸗ dergegeben, über ſeiner Schulter ſichtbar war.
Ich hatte den jungen Kameraden, das Original dieſes Bildes, auch gekannt, wenn auch kürzere Zeit als die andern, vor allem weniger als Edward Döring, den man den Pylades dieſes Oreſts zu nennen pflegte. Er war einer jener begabten, glücklichen, aber auch wahrhaft edlen Na⸗ turen, welche wie durch einen Talismann die allgemeine Liebe und Aner⸗ kennung genießen, ſo daß ſein Weggang noch jetzt, nach zwei Jahren, allgemein beklagt, ſein Platz nicht wieder ausgefüllt war. Waren nun meine beiden Gefährten meinen Blicken gefolgt oder von ſelbſt auf die gleiche Gedankenverbindung gekommen, der eine von ihnen ſprach faſt ge⸗ treulich meine Gedanken aus, als er ſagte:„Wißt ihr auch, daß wir alle drei erbärmlich langweilige Geſellen ſind, da wir ſo wie die Pagoden bei⸗ ſammen ſitzen und nichts zu ſprechen wiſſen? Gott ſei's geklagt, ſeit Eck⸗ bert Asling weggegangen, hat uns auch der gute Geiſt der Kameradſchaft verlaſſen. Iſt es doch, als ſei der Geiſt der Chevalerie für immer mit dem blonden Eckbert gegangen! Spielen, trinken, Liebſchaften de bas étage, Scandalgeſchichten, Händel und Nichtigkeiten, alles iſt jetzt an der Tages⸗ ordnung! Wir ſind recht alltägliche Geſellen geworden— Lanzknechte im Frieden!“
Es war ſeltſam genug, die bloße Erwähnung des Namens rief ſelbſt
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