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Der blonde Eckbert.
Erzählung von
Moritz Horſt.
Es war ſeit acht Tagen ſo unfreundliches und ſtürmiſches Winter⸗ wetter, daß der geſellige Verkehr der kleinen, ohnehin wenig geſelligen Stadt vollſtändig eingefroren ſchien und ich mit meinen beiden Kamera⸗ den in unſerer gemeinſchaftlichen Wohnung ſchon ſeit drei Tagen den Platz am Ofen nicht mehr mit einem in dem ungeheizten, rauchigen Kaffee⸗ hauſe vertauſchen mochte. Allein auch unſre kleinen geſelligen Talente waren durch dieſes andauernde Zuſammenſein etwas erſchöpft. Wir be⸗ ſaßen nämlich in unſrer ſonſt geräumigen Wohnung nur ein wirklich heiz⸗ bares Zimmer, deſſen Ofen nicht rauchte und deſſen Fenſter und Thüren nicht Spalten hatten, und dieſes Zimmer war zum gemeinſchaftlichen Sa⸗ lon ernannt worden, ſo daß wir dieſe drei Tage vom Morgen bis zum Abend unausgeſetzt in einem Raume zuſammen verlebt hatten. Wir hat⸗ ten geleſen, geraucht, Patience gelegt und Tarok geſpielt, aber zuletzt Bücher und Karten weggeſchoben, das Sopha dicht vor den Ofen gerückt, einen Lehnſtuhl, der mein Platz war, dazu und ſaßen nun ziemlich gelang⸗ weilt beiſammen, indem wir abwechſelnd von der flackernden Glut oder den blauen Dampfwolken unſrer Tſchibucks unſere Gedanken anſtrahlen oder verhüllen ließen und jeder ſich vor dem Aufbruch und dem kalten, winddurchhauchten Schlafzimmer fürchtete.
Wir beſaßen, als drei junge Offtziere in einer kleinen Grenzſtadt, keineswegs einen verſchwenderiſch oder beſonders geſchmackvoll eingerichte⸗ ten Salon; Kunſt⸗ und Luxusgegenſtände waren, außer einigen Waffen an den Wänden und einigen türkiſchen Pfeifen auf einem Ecktiſche, nicht
zu entdecken; Teppiche, Gardinen und Bilder fehlten gänzlich.— Doch Hausblätter. 1861. II. Bd. 1


