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Von Edmund Heefer. 473
anderen ſchönen und nicht ſchönen Wiſſenſchaften in Straßburg. Es war ein junger und ſchöner, wilder und geiſtvoller Menſch, angeſehn und beliebt im Kreiſe ſeiner Genoſſen; dennoch aber ahnten damals ſelbſt ſeine lebhaf⸗ teſten Bewunderer und Verehrer wohl kaum, daß er in wenig Jahren der berühmteſte Mann Deutſchlands ſein würde, daß er der größte Dichter nicht nur ſeiner Heimat und der Gegenwart, ſondern aller Länder und— Shakeſpeare abgerechnet— der ganzen neueren Zeit werden ſollte.
Leſern, welche über dieſen Eingang meiner kleinen Skizzen⸗ und Stu⸗ dienblätter ihre Gloſſen machen möchten, muß ich bekennen, daß ich bei ähn⸗ lichen Stoffen gern derartige Erinnerungen in mir herrſchen laſſe, wie ich ſie hier mitgetheilt. Sie machen mir den Menſchen, ſein Weſen, ſein Thun und Treiben ſo gar gegenſtändlich; ſie geben mir etwas Feſtes und Reales— gleichſam eine Photographie, an der ich nun näher und beſſer beobachten kann, was mir ſonſt nur zu leicht verborgen bleiben oder, kaum bemerkt, ſchon wieder entſchlüpfen möchte. Und bei niemand, meine ich faſt, dürften bei Beurtheilung des inneren Menſchen und ſeiner Geiſtesſchöpfungen ſo feſt und genau auch das Bild des äußeren, ſeine ganze Lage, ſeine geſammten bürgerlichen Verhältniſſe feſtzuhalten und zu erwägen ſein, wie grade bei Goethe.
Ich will hier, um gleich zur Sache zu kommen, zuerſt an den Vor⸗ wurf erinnern, den man, faſt ausnahmslos alberner⸗ oder ungerechterweiſe, dem großen Mann gemacht,— daß er mit ſteigendem Alter immer ſteifer und kälter fremden Beſuchern und Verehrern entgegengetreten ſei und den Geheimenrath herausgekehrt, während er dagegen vor Höherſtehenden ſich in übertriebener— die Deutſchthümler ſagten ſogar: kriechender und knech⸗ tiſcher— Devotion gezeigt habe. Man braucht, um dies vorweg zu erwäh⸗ nen, noch lange keinen Namen und Ruhm zu haben wie Goethe, um ſchon auf das genauſte zu wiſſen, daß in manchem ſogenannten Beſucher und Ver⸗ ehrer nichts ſteckt als die läſtigſte Neugier, daß man betrachtet wird, wie eine Art Menagerie⸗Thier, und daß man, ganz abgeſehn von dem Zeitverluſt, von der zufälligen Tagesſtimmung, von dem Verdruß über ſolches Ange— ſtarrtwerden, allen Grund hat möglichſt zurückhaltend und vorſichtig zu bleiben. Es gehört eine unmäßige und kindiſche Eitelkeit zu dem Glauben, daß jeder, der ſich an einen berühmten Mann herandrängt, durch— Herz und Gemüth dazu getrieben werde, eine Citelkeit, wie Goethe wenigſtens ſte niemals beſeſſen; und es iſt ein Verlangen, wie es abſolut nicht unbilliger


