Blicke in Goethe's Teben und Werke.
Skizzen⸗ und Studienblätter. Von
Edmund Hoefer.
1.
Allerlei Für und Wider.
Es ſind jetzt grade neunzig Jahre her, und es war auch in den erſten Octobertagen, wie heut, wo ich dies ſchreibe, da ritten eines ſchönen Tags zwei junge Männer aus einem Thore Straßburgs, der damals noch faſt ganz deutſchen Stadt, Studenten, wackere Geſellen und luſtige Leute,— der Eine ſchmuck herausgeputzt, der Andere in einer Kleidung, die ein wenig abenteuerlich ausſah und zuſammengeborgt ſchien. Der muntere Vogel hatte ſchon von Jugend auf ſeine rechte Luſt daran ſich zu verkleiden und verkap⸗ pen, ſeine Perſon und ſein eigentlich Weſen zuweilen incognito auftreten zu laſſen— eine Neigung, die für ihn und Andere in der Folge verhängnißvoll werden ſollte. Diesmal hatte er's, mit Zuſtimmung ſeines Gefährten, auf die ſehr unſchuldige Myſtification einer nicht fern wohnenden Predigerfamilie abgeſehn, in der er ſich als armer Kandidat der Theologie einführen laſſen wollte, während den Leutchen ſein rechter Name und ſein rechtes Weſen und fröhliches Treiben durch Berichte gemeinſamer Bekannten doch längſt bekannt geworden war.
Der Schmucke hieß Weyland, und es iſt von ihm nichts weiter zu melden, als daß er dazumal eben ein guter Kamerad und Freund des Ande⸗ ren geweſen. Dieſer, der Abenteuerliche, hieß Johann Wolfgang Goethe, Sohn des kaiſerlichen Raths in Frankfurt am Main, und war ſeit dem Frühling des Jahrs 1770 wohlbefliſſener Studioſus der Rechte und mancher
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