Jahrgang 
1 (1861)
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Von Chr. Fr. Schwan. 469

tritte dabei vorgefallen, davon könnte ich ein eigenes Buch ſchreiben, welches dem damaligen Miniſterio in Mannheim nicht viel Ehre machen würde, ob ich gleich dem Kurfürſten ſelbſt, ſowie dem damaligen Miniſter, Herrn von Hompeſch, dabei am wenigſten zur Laſt zu legen wüßte. Erſterer wollte immer das Gute und war jederzeit bereit, zu Ausführung deſſelben alles Mögliche beizutragen; aber er hatte bekanntlich nicht Selbſtſtändigkeit genug, etwas gegen den Willen ſeiner Miniſter oder anderer Leute, die ein Gewicht bei ihm hatten, durchzuſetzen. Der Herr von Hompeſch war allein zu ohn⸗ mächtig den Cabalen ſeiner Herren Collegen im Miniſterium zu wider⸗ ſtehen. Und ſo nahm denn die ganze Geſchichte mit des Herrn Leſſings Be⸗ rufung eine ſo ſchiefe Wendung und ein ſo lahmes Ende, daß auch ſogar von den 600 Gulden, die ihm doch ohne Rückſicht auf das Theater, bloß als ordentliches Mitglied der Akademie der Wiſſenſchaften, unter dem Siegel der Akademie verſichert waren, in der Folge keine Rede mehr war und er nie einen Kreuzer davon wirklich bezogen. Als nach Leſſings Tode ſein Bruder ſeine Briefe drucken ließ, vermuthete ich, es würde ſich auch die Correſpon⸗ denz mit dem Miniſter von Hompeſch und mit mir über dieſen Punkt dabei befinden. Zu meinem Vergnügen aber fand ich nur eine allgemeine Erwäh⸗ nung dieſes Vorgangs darin, und ſo will ich es denn auch dabei bewen⸗ den laſſen.

Im Jahre 1778 ertheilte mir der Kurfürſt mittelſt eines Patentes den Charakter eines kurpfälziſchen Hofkammerrathes.

Als Mitglied der deutſchen Geſellſchaft, welche vorzüglich die Verbeſſe⸗ rung und Reinigung der deutſchen Sprache in der Pfalz zum Gegenſtande ihrer Beſchäftigung hatte, ſuchte ich mich auch durch das Studium derſelben in meiner Mutterſprache feſter zu ſetzen, und gerieth endlich auf den Einfall, das Studium der franzöſiſchen Sprache damit zu verbinden und ein vollſtän⸗ diges Wörterbuch nach dem Muſter des Adelung'ſchen Wörterbuchs und des Dictionaire der Académie française zu bearbeiten. Ein in der That ver⸗ wegenes Unternehmen, welches mir aber beſſer glückte, als ich eigentlich zu erwarten Urſache hatte. In einem Zeitraume von zwölf Jahren endigte ich dieſes Werk in ſteben Quartbänden, und hatte das Vergnügen, es in und außer Deutſchland wohl aufgenommen zu ſehen.

In dieſen Zeitraum, nämlich in die 80 ger Jahre, fällt auch die erſte öffentliche durch mich veranlaßte Erſcheinung Schillers. Ich habe dem Herrn