Von Chr. Fr. Schwan. 467
rriſttmdden dune(2) in einen Streit gerieth, der den Vorzug der franzöſiſchen Sprache gerühmt, vor der deutſchen im Singen betraf. Der franzöſiſche Geſandte behauptete, Aus be⸗ die deutſche Sprache habe nicht Flüſſigkeit und Biegſamkeit genug für den ich über⸗ Geſang. Der Kurfürſt beſtritt dieſe Behauptung, und zum Beweis ſeines u drucken Satzes ſang er ſelbſt ganz laut die Stelle: Mon peére ne sortira pas, il s exilé ete pa juré erſt franzöſtſch und dann deutſch,—„Mein Vater geht nicht aus dem Haus; er ſchwur es heut, es wird nichts draus,“ und ſagte nachher,
eim eine er finde gar nicht, daß dieſes deutſch geſungen ſchlechter laute als franzöſiſch.
Ich machte mir dieſen Umſtand, der auch meinem Handel ſehr günſtig war, zu Nutzen und überſetzte ſelbſt verſchiedene Operetten aus dem Franzöſiſchen, die gut aufgenommen und häufig gekauft wurden. Vorzüglich erhielt der
geher Kaufmann von Smyrna einen allgemeinen Beifall nicht bloß in Mannheim, anderer ſondern in ganz Deutſchland. Bekanntlich war dieſes Stück im Franzöſtſchen
nur eine ſogenannte kleine Piege in Proſa. Ich machte eine Operette daraus, und der Abt Vogler, der ſich damals in Mannheim aufhielt, ſetzte die Muſik azu. Dieſe Operette iſt nachher auch in Berlin und in Königsberg von zwei
₰
H
2
Tonkünſtlern componirt worden. Endlich nach Verlauf mehrerer Jahre ver⸗ wandelte ich dieſes kleine Stück von einem Act in eine förmliche Oper von drei Aufzügen unter dem Titel:„der Sklavenhändler“, wozu der geſchickte laſer Tonkünſtler und Virtuoſe auf dem Violoncello, Herr Peter Ritter, die Muſtk ſetzte. Es wurde in Mannheim einigemale mit Beifall aufgeführt.
f u Da aber dieſes Stück gerade zu Anfang der franzöſiſchen Revolution auf Nun⸗ der Bühne erſchien, ſo wurde die Arie:„Goldne Freiheit“ ꝛc., die aber auf Diſſ die politiſche Freiheit, wovon das franzöſiſche Volk damals träumte, nicht die er hrabs entfernteſte Beziehung hat, für anſtößig gehalten, und ſo blieb das Stück velſhir liegen.
Um dieſe Zeit erſchien in Frankreich ein Schauſpiel unter dem Titel „Eugenie“, welches in Paris viel Beifall erhielt und wovon alle Flugblätter mit großen Lobeserhebungen ſprachen. Unſer Kurfürſt war begierig, dieſes Stück auch uf der franzöſiſchen Bühne zu ſehen. Ein Rollenſtreit der fran⸗ zöſiſchen Schauſpieler verzögerte die Vorſtellung zum höchſten Mißvergnügen des Kurfürſten auf eine geraume Zeit. Ich benützte dieſen Umſtand, über⸗ ſetzte das Stück in der Geſchwindigkeit und gab dem Herrn Marchand, der damals die Sebaſtiani'ſche Geſellſchaft ſchon ſelbſt als Direktor übernommen
—hatte, die fertigen Bogen ſtückweiſe, um gleich unter der Hand die Rollen ausſchreiben und einſtudiren zu laſſen. Dies geſchah in aller Stille, und 30*
——————


