Jahrgang 
1 (1861)
Einzelbild herunterladen

466 Kurze Nachricht von meinem Leben.

Plätzen anbaute. Dieſe Abhandlung ward von der damals erxiſtirenden Oberlauſitziſchen Bienengeſellſchaft ſehr vortheilhaft angezeigt und angerühmt, weßhalb ich mich entſchloß, ſte etwas umſtändlicher auszuarbeiten. Aus be⸗ ſondern Urſachen mochte ich dieſe Abhandlung nicht ſelbſt drucken; ich über⸗ ließ ſte alſo dem Herrn Decker in Berlin, der ſie für ſeine Rechnung drucken ließ. Zu der nämlichen Zeit erſchien auch von mir: Le Suédois exilé etc. und die Réflexions paradoxes.

Der Kurfürſt Karl Theodor unterhielt bekanntlich in Mannheim eine italieniſche Oper und ein wohl beſetztes franzöſiſches Theater, wozu jeder⸗ mann freien Zutritt hatte. Daß Mannheim damals die Pflanzſchule der Tonkünſtler war, in welcher die größten Virtuoſen gebildet worden, iſt eine bekannte Sache. Noch jetzt bei ganz unveränderter Geſtalt der Dinge gehen von dieſer Schule von Zeit zu Zeit junge Zöglinge eines Fränzel und anderer Meiſter in ihrer Kunſt aus, die als merkwürdige Erſcheinungen in ganz Europa Aufſehen machen und Bewunderung erregen. Von deutſchen Schau⸗ ſpielern wußte man in dieſer Zeit in Mannheim nichts. In Sachſen hatte man ſchon ſeinen Eckhof und mehrere geſchickte Schauſpieler und Schau⸗ ſpielerinnen unter der Direktion des bekannten Ackermann. Nun erſchien auch in Mannheim ein gewiſſer Sebaſtiani, der ſelbſt kein Schauſpieler war, der aber mehrere arme Kinder im Singen und Tanzen unterrichten laſſen und mit denſelben umherzog und kleine Stücke nebſt Operetten aufführte, die gewöhnlich mit einem Ballet beſchloſſen wurden. Er erbaute ſich eine bretterne Hütte auf dem Markte, und wenn er einige Zeit lang das Mann⸗ heimer Publikum beluſtigt, zog er nach Mainz, Frankfurt u. ſ. w. Dieſe kleine Geſellſchaft vermehrte ſich nach und nach und erhielt einige ſehr brave Subjecte. Marchand, Huck, Piloti und noch einige andere, wovon verſchie⸗ dene noch jetzt in München leben, fingen an ſich vortheilhaft auf der Bühne auszuzeichnen, und machten beſonders mit den damals in Frankreich erſchei⸗ nenden kleinen Operetten dem Mannheimer Publikum viel Vergnügen. Und wie es denn zu gehen pflegt: das Neue reizt, und ihr kleines hölzernes Theater wurde ſo häufig beſucht, daß ſehr oft kein Platz mehr oder vielmehr nicht Platz genug für die Zuſchauer darin war.

Selbſt der Kurfürſt beſuchte dieſes deutſche Theater von Zeit zu Zeit und ſchien Vergnügen daran zu finden. Ich erinnere mich noch, daß er in der Operette Röschen und Collas mit dem franzöſiſchen Geſandten Au⸗