Jahrgang 
1 (1861)
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464 Kurze Nachricht von meinem Leben.

Sie zählte unter ihren Mitgliedern gelehrte und geſchickte Männer; die zäl 9 geleh geſch; Fächer der Wiſſenſchaften aber, die ſte bearbeitete, waren nicht dazu geeignet,

auf den Geſchmack und auf die Ausbildung des Geiſtes im Gebiete der ſchönen

Wiſſenſchaften zu wirken. Außer den Büchern, welche die Theologen, Juriſten und Mediziner, jeder in ſeinem Fache brauchten, und außer katho⸗ liſchen Gebetbüchern und Legenden der Heiligen war hier nichts bisher oder doch ſo wenig als nichts von deutſcher Litteratur in den Händen des Publi⸗ kums geweſen. Was man las, war franzöſiſch, zu welchem Geſchmack das damalige mit ſehr guten Leuten beſetzte franzöſtſche Theater in Mannheim ſehr vieles beitrug. An Voltaire's und anderer Franzoſen witzige Schriften gewöhnt, bezeugte man gegen alles, was deutſch war, die größte Gleich⸗ gültigkeit. Zwar fand man hier und dort Rabeners Satyren, Gellerts Fabeln und einige wenige andere gute deutſche Schriftſteller in den Händen der Privatleute, ſowie Erneſti theologiſche Bibliothek und einige andere juriſtiſche und mediziniſche Zeitſchriften. Das war aber auch alles. Der Eßlingeriſche Buchladen, der das Prädikat einer Hofbuchhandlung hatte, beſtand aus einem unbedeutenden kleinen Lager von alten, bereits größten⸗ theils zu Makulatur gewordenen Büchern, meiſt aus dem Fache der Theolo⸗ gie. Wenn jemand ein Buch verlangte, ſo verſchrieb es der Factor von Frankfurt, und der ganze Gewinn von dieſem Handel betrug jährlich nicht mehr und zuweilen kaum ſoviel, als der Factor und Haus und Laden Zins koſteten.

Meine beiden Wochenſchriften und die ruſſiſchen Anekdoten hatten mich indeſſen in Mannheim ſchon auf eine vortheilhafte Art angekündigt. Ich fing nun ſogleich damit an, mir die vorzüglichſten deutſchen Dichter und andere gute Schriftſteller im Fache der ſchönen Wiſſenſchaften in Menge kommen zu laſſen, und da man auch in Anſchauung des Aeußern an den franzöſiſchen Geſchmack gewöhnt war, ließ ich ſie zum Theil in ſchönen Franzband einbinden oder auch nur heften, damit man gleich Gebrauch da⸗ von machen könne. Dieſes fand Beifall und ich merkte bald, daß ich auf dieſem Wege am beſten und geſchwindeſten meinen Zweck erreichen werde. Ein kleines Werk, das ich unter dem Titel:Die Schreibtafel ankündigte,

und wovon ich zugleich ein Heft herausgab, hatte zum Zweck, das bisher verborgene und unbenützt gebliebene Genie guter Köpfe in der Pfalz zu wecken und ihnen Gelegenheit zu verſchaffen, in klein ufſätzen oder Ge⸗ dichten ſich öffentlich zu zeigen. Dieſer Plan gelang mir um ſo beſſer, da