Jahrgang 
1 (1861)
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460 Kurze Nachricht von meinem Leben.

zeigen nicht ermangeln werde, die er mir ſelbſt bei jeder Gelegenheit zu be⸗ zeigen nie außer Acht laſſen werde. Das war nun abermal einer von den Vorſchlägen, die zu vortheilhaft ſind, als daß man ſie in einer gewiſſen Lage und unter gewiſſen Umſtänden von ſich ablehnen könnte. Ihn koſtete es keine Mühe, die Erlaubniß zu erhalten, daß ich bei ihm wohnen dürfe, und ich kam dadurch für's erſte aus aller Verlegenheit wegen meiner Unter⸗ kunft.

Ich bezog alſo, nachdem die Herbſtmeſſe geendigt war, das für mich eingerichtete Zimmer bei dem Doktor Roſt, und ich brachte in dieſem Hauſe den Winter ſehr angenehm zu. Was mir eigentlich fehlte, war Beſchäftigung,

ſich aber auch bald fand. Das unglückliche Ende d des ruſſiſchen Thron⸗ prätendenten Iwan und noch mancherlei einzelne Umſtände, deren ich mich von Petersburg her erinnerte, veranlaßten mich, eine Ueberſetzung ins Deutſche von meinen Anecdotes russes zu machen und das, was ich ſowohl in Betreff des Prinzen Iwan als ſonſt noch zu ſagen fände, als Noten hin⸗ zuzufügen. Die Brönneriſche Buchhandlung übernahm den Verlag davon. Als ich damit fertig war, gerieth ich auf den Einfall, eine Wochenſchrift für Frankfurt zu ſchreiben, ein litterariſcher Artikel, der damals noch nicht ſo häufig war, als er es nachher geworden iſt. In Frankfurt war das wenigſtens damals eine ganz neue Erſcheinung. Ich hatte, als ich noch in Vorburg war, unter andern Büchern, die mir Herr Staatmann zu leſen geſchickt, auch eines unter dem Titel: Gyges gallus, Firmiano autore, erhal⸗ ten, welches mir ſehr wohl gefallen. Dies veranlaßte mich, zu meiner Wochen⸗ ſchrift den Titelder Unſichtbare zu wählen. Ich zweifle nicht, daß mir außer den Charakterzügen verſchiedener Menſchen, die ich bald in dieſem, bald in jenem Lande geſammelt, und die unter einigen veränderten Umſtänden allenthalben hinpaſſen, wo Menſchen in einem geſellſchaftlichen Verbande mit einander leben, auch das Frankfurter Publikum, ſo wie ich es nach und nach näher kennen lernte, hinreichenden Stoff zu einer Wochen⸗ ſchrift liefern werde.

Auch bei dieſer Gelegenheit leiſtete mir mein Freund, der Bauſchreiber Petſch, nicht nur dadurch gute Dienſte, daß er mich mit einigen beſonderen Sitten, Gebräuchen und Mißbräuchen der Frankfurter bekannt und auf mancherlei Dinge aufmerkſam machte, die ſonſt der Beobachtung eines Fremden entgehen, ſondern er verſchaffte mir auch an dem Buchhändler Eßlinger einen Verleger. Den erſten Bogen, die von demUnſichtbaren