Jahrgang 
1 (1861)
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Von Chr. Fr. Schwan. 459

mir auf alle Art und Weiſe behülflich zu ſein, um in Frankfurt bleiben und irgend einen günſtigen Zeitpunkt abwarten zu können. Er nahm mich unter anderem auch mit in ein Kaffeehaus, woſelbſt ſich beſonders gegen Abend ffaſt lauter angeſehene Perſonen aus der Stadt und viele Fremde verſammel⸗ ten. Hier machte er mich mit einem gewiſſen Doctor juris, Friedrich Daniel Roſt aus Naumburg gebürtig, bekannt. Und da wir des Abends, wenn wir mach Hauſe gingen, einerlei Weg zu machen hatten, ſo gab dieſes zu einer Mäheren Bekanntſchaft Gelegenheit. Wahrſcheinlich hatte mein Freund dem Doctor Roſt etwas von meinen Abenteuern erzählt, welches ihn neugierig gemacht, mehr von mir ſelbſt zu hören. Ueberhaupt ſagte Einer dem Andern ün Frankfutt, wenn ich an irgend einem öffentlichen Orte oder in einer Ge⸗ ſellſchaft erſchien, heimlich ins Ohr, ich ſei der Verfaſſer der Anecdotes russes, welches vermuthlich daher kam, weil, wie ich nachher erfahren, der Buch⸗ händler Staatmann im Haag dem Buchhändler Eßlinger in Frankfurt eine Partie Exemplare davon geſandt und ihm dabei im Vertrauen eröffnet, der Verfaſſer Namens ſo und ſo müſſe ſich wirklich in Frankfurt aufhalten, weil er ſeinen Weg dahin genommen. Kurz, der Doktor Roſt lud mich eines Tages nebſt dem Bauſchreiber Petſch zum Mittageſſen ein. Er war Wittwer und hatte eine Tochter von ungefähr ſechzehn Jahren und zwei jüngere Söhne, die beide die Claſſe der lateiniſchen Schule in Frankfurt beſuchten, und wovon der älteſte nachher Offizier bei der Artillerie geworden, der jüngere aber Medizin ſtudirt hat. Der Herr Doctor Roſt war ein jovialer Mann, ein guter Juriſt, oder wie andere ihn nannten, ein großer Rabuliſt, der ſich ein artiges Vermögen zuſammen prozeſſirt hatte und dabei auf einem guten Fuße lebte. Seine häufigen Geſchäfte feſſelten ihn den Tag über entweder an ſeinen Schreibtiſch oder nöthigten ihn, ſeine Zeit außer dem Hauſe zuzubringen. Da war denn, während ſeine Söhne in der Claſſe ſaßen, außer ſeiner Köchin und ſeiner etwas mehr als bloß munteren Tochter niemand zu Hauſe, und ſchon oft hatte er bei Gelegenheit, da er eher nach Hauſe kam, als man ihn erwartet, Geſellſchaft angetroffen, die ihm nicht anſtand. Er fiel deßhalb auf den Ge⸗ danken, mir den Vorſchlag zu thun, zu ihm ins Haus zu ziehen, und bot mir nebſt einem artig möblirten Zimmer den freien Tiſch an, wenn ich es über mich nehmen wolle, wenn er Geſchäfte halber abweſend ſein müſſe, Ordnung in ſeinem Hauſe zu halten, was um ſo leichter ſein werde, da man mich als einen Hausfreund anſehen und mir diejenige Achtung zu be⸗