14 Zwiſchen zwei Regen.
den Vorplatz hinauszuſtrecken wagten und immer wieder ins Haus zurück⸗ ſprangen, als wollten ſie den Ankömmling erſuchen, ja recht ſchnell zu folgen. — Zampa war von dem alten Anton ſchleunigſt in den Stall gebracht worden.
Jetzt war der junge Mann, ſo langſam er auch ging, ins Haus getreten, und hörte nun die heitere wohlbekannte Stimme eines alten Mannes, ihm oben von der Treppe aus zurief:„Mir ſcheint, der Regen hat Sie hergeſchwemmt, beſter Baron! Iſt das ein Wetter! Einen Augenblick Ge⸗ duld, ich komme ſchon herunter, Sie müſſen ſich augenblicklich umkleiden.“— Wenige Augenblicke nachher ſtand denn auch der Herr des Hauſes herzlich lachend vor dem jungen Mann, deſſen Lage dadurch noch peinlicher und un⸗ angenehmer wurde, daß er allerdings einen mehr als komiſchen Anblick bot. An ſeinem Körper troff das Waſſer herunter, wo er ſtehen blieb, augenblick⸗ lich große Lachen bildend, er hatte an ſeinem ganzen Leibe, im wahren Sinne des Wortes, keinen trockenen Faden.„Nun kommen Sie nur hier herein,“ ſagte heiter der alte Mann,„es iſt das Zimmer meines— Vetters, der mit Ihnen ungefähr von gleicher Geſtalt iſt, weßhalb es um ſo eher geht, daß Sie ſich aus ſeiner Garderobe helfen.“
Aus ſeiner Garderobe, dachte der andere, ſolch ein Unglück kann nur über mich kommen!—„Nein, nein,“ rief er, mit der Hand abwehrend, „wie kann ich ohne die Erlaubniß Ihres Vetters einen ſolchen Mißbrauch von deſſen Sachen machen! Nein— nimmermehr— gewiß nicht!“ „Aber ſind Sie komiſch, Baron! Und wenn ein wildfremder Menſch ſo pudel⸗ naß in unſer Haus käme, da würde man ſich wahrhaftig nicht beſinnen, ihm trockene Kleidung anzubieten, wie vielmehr alſo Ihnen, einem alten Bekannten, der ſich freilich in der letzten Zeit rar gemacht!— Ja, ja, das haben Sie,“ fuhr der Herr des Hauſes fort, als jener Einwendungen zu machen ſchien,„und wir werden Sie nachher alle dafür heftig auszanken.— Aber jetzt hereinſpaziert, Sie werden ſich ſonſt die ſchönſte Erkältung zuziehen.“ Bei dieſen Worten hatte er die Thüre eines Parterrezimmers geöffnet und nöthigte den jungen Mann einzutreten.„Hier wohnt— Ferdinand,“ ſagte er,„dort in dem Schranke iſt ſeine Wäſche, hier ſeine Kleider. Viele Aus⸗ wahl wird nicht da ſein, da er nur auf kurze Zeit zu uns gekommen.“ Der alte Herr öffnete bereitwillig Schubladen und Schränke.—„Jetzt laſſe ich Sie allein, kommen Sie bald hinauf, wir ſind droben im Balkonzimmer;
meine Frau wird augenblicklich Thee machen laſſen.“
der
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