Von F. W. Hackländer. 13
folgenden Blitzen, umgrollt vom Donner, der weit hinaus hallend, maje⸗ ſtätiſch und gewaltig über Berg und Thal rollte, flog das raſche Pferd unter dem nun mit einemmal in Strömen niederpraſſelnden Regen in die Berge hinauf. Dort oben, eine gute Strecke höher, theilte ſich der Weg, rechts ging es ſteil zum Walde, gerade aus auf ebener guter Straße, nach dem Hauſe mit dem grauen Schieferdach. An dieſer Stelle, die Zampa ſo oft paſſirt, wollte das ſonſt ſo folgſame Thier dem Druck des Zügels nicht gehorchen, vergebens ſuchte ſein guter Reiter es gegen den Waldweg hinzuwerfen, ein dort nieder⸗ ſchlagender Blitzſtrahl, gefolgt von einem unmittelbar darauf krachenden Donnerſchlag, half noch obendrein ſeine Bemühungen vereiteln. Zampa flog mit wilden Sätzen auf der bequemen Straße dem Hauſe zu.— Meinetwegen auch, dachte ſein Reiter, du wirſt über das Ziel hinausfliegen, und dich als⸗ dann doch meinem Willen fügen.
Aber Zampa flog nicht über das Ziel hinaus, war es doch gar zu ver⸗ lockend für das geängſtigte Thier, erinnerte es ſich doch gewiß des warmen Stalles dorten, der Krippe voll duftenden Heu's, die man ihm dort oft ge⸗ boten— und— dankbarer als ſein Reiter, der feinen zarten Hand, die ſo oft ſeinen ſchlanken Hals geſtreichelt, die ihm ſo manches Stück Zucker zwiſchen die ſchaumbedeckte Stange geſchoben. Von den obern Fenſtern des Hauſes ſchien man den Reiter bemerkt zu haben, und der alte Anton, heute ſo ganz unnöthigerweiſe dienſteifrig, ſprang trotz des ſtrömenden Regens an das Hofthor und riß die beiden ſchweren Thorflügel weit auf. Ohne den Verſuch zu machen, das Thier zu zügeln, mußte ſich der Reiter recht feſt in ſeinen Sattel ſetzen, um beim Einbiegen in den Hof nicht noch obendrein etwas ganz Erſchreckliches zu erleben. Weiß der Himmel, murrte er in ſich hinein, daß das gegen meinen Willen gekommen iſt! Verflucht, ich bin da in einer ganz unangenehmen Situation. Warte, Freund Zampa, ich werde dir in den nächſten Tagen noch zu einiger Dreſſur verhelfen!
An dem Endreſultat war aber nichts mehr zu ändern, das Pferd hielt an der breiten Treppe des Landhauſes, und ſtand ſo mauerſtill, wie es ein Reiter nur wünſchen kann, wenn er abſteigen will, und dies augenblicklich zu thun, war noch der geſcheuteſte Entſchluß, den dieſer nun faſſen konnte. Da ſtand er denn nun auf der Treppe und ſtieg trotz der Waſſerfluten, die herabſtürzten, zögernd eine Stufe um die andere hinauf. Es regnete ſo toll, daß die Jagdhunde unter dem Vordach, die mit Schweifwedeln und freund⸗ lichem Bellen dem Wohlbekannten entgegenkamen, ihre Schnauzen nicht über


