8 Zwiſchen zwei Regen.
Weg hinabſchauen, den er glückſelig mit ihr aufwärts ſtieg, und auf dem ſie nachher allein verſchwand!“
Haſtig eilte er an die Thüre und rief hinaus:„Satteln, aber ſogleich!“ —„Ach,“ ſagte er tief aufathmend,„wenn man nur erſt wirklich einen feſten Entſchluß gefaßt hat! Ich fühle mich in der That ſchon erleichtert! Ja ich will hinauf in den Wald, oder noch beſſer, hinunter an das Fluß⸗ ufer, um aufwärts ſchauend, vielleicht oben im Grün einen weißen Punkt zu erblicken.“
Der Reitknecht meldete jetzt ſo auffallend ſchnell, Zampa ſei geſattelt, daß der gnädige Herr in gewöhnlicher Stimmung auf die Idee hätte kommen müſſen, ſein erſter Befehl ſei ausgeführt worden, und nicht ſein zweiter; aber in der Gemüthsverfaſſung, in welcher er ſich jetzt befand, dachte er nicht daran, ſondern ſchien ſich nur an der Eile zu freuen, mit der man ſeinen Befehl ausgeführt. Er nahm Hut, Handſchuh und Reitpeitſche und ſtieg mit
finſterer Miene die Treppe hinab.—„Befehlen der gnädige Herr, daß ich einen Regenmantel auf den Sattel ſchnallen ſoll?“ fragte der Bediente in ſehr unterwürfigem Tone.—„Wenn die Aenderung gemacht iſt, die ich
daran befohlen,“ entgegnete der Herr, ſetzte aber hinzu:„das wird der Herr Kammerdiener wahrſcheinlich wieder vergeſſen haben!“ Der Reitknecht zuckte ungeſehen die Achſeln.
Unten im Hofe ſtand Bob und hielt das Pferd, Dank verſchiedener Püffe, die er heute ſchon empfangen, ſo ſchulgerecht wie möglich. Der Reit⸗ knecht trat übrigens jetzt ſelbſt in dieſe Funktion, und zog dabei den rechten
Steigbügel mit außerordentlicher Anſtrengung; der Herr ſchwang ſich wohl leicht und gewandt, aber doch ſehr langſam in den Sattel, und als er ihm die Zügel genommen und das heftig vorwärts ſtrebende Pferd raſch und kurz geſtellt, ſtellte er den rechten Arm in die Seite und fragte kurz und barſch: „Nun, wie iſt's mit dem Regenmantel?— Ah, Herr Stefan,“ wandte er ſich jetzt an eine dritte Perſon, die an einem Fenſter des Parterreſtocks erſchien, und ſich entſchuldigend verbeugte,„wir haben das wieder einmal vergeſſen. Erlauben Sie mir, Ihnen zu eröffnen, daß das Geſangbücherleſen und Ge⸗ betbücherſtudiren eine ſehr ſchöne Sache iſt, aber ſchon der heilige Petrus ſagt, wie ich glaube, irgendwo:„Alles hat ſeine Zeit.“
Daß der heilige Petrus den Ausſpruch nicht gethan, konnte man aus
dem Geſicht des Kammerdieners abnehmen, hatte er doch nicht übel Luſt zu einer Correktur, ſchwieg aber geſcheuter Weiſe ſtill, da er ſah, wie ſich der


