Jahrgang 
1 (1861)
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Von F. W. Hackländer. 7

Eliſabeth, rief eine Stimme unter dem Fenſter,geh doch etwas geſchwinder, ihr bleibt ja um die halbe Straßenlänge zurück! Der junge Mann ſprang haſtig empor, eilte ans Fenſter und blickte hinaus, da ſah er die Gerufene nun eilig näher kommen. Es war eine junge derbe Dame mit von der Hitze geröthetem Geſicht, ſie trug ein ſchreiend gelbes Kleid, dazu einen grünlichen Shawl und einen roſa Hut. Des Staubes halber hatte ſte ihre Röcke etwas emporgehoben, weßhalb man bemerkte, daß ſie auf einem ſehr großen Fuß lebte..

Und ſolch ein Geſchöpf unterſteht ſich Eliſabeth zu heißen? knirſchte der oben grimmig zwiſchen den Zähnen, während unten die vergnügte Familie vorüberzog.Eliſabeth, du Hohe, du Erhabene! Es dürfte eigentlich kein weibliches Weſen auf der ganzen weiten Welt noch ſo heißen, als du! Ah, Eliſabeth, dich ſich vorzuſtellen, wie die da unten in allen Farben des

Regenbogens o, es wäre eine Entheiligung! Du mit deiner einfachen . d 7 3 d 3 reizenden Toilette! Weg mit dem Bilde da unten! Er wandte

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ſich mißmuthig vom Fenſter ab.Iſt es mir doch, als ſehe ich dich vor mir

ſtehen, deine liebe ſchlanke Geſtalt, im ſchneeweißen Anzuge, der Farbe der 7 2 7 5 7

Unſchuld und deines Herzens, mit den kleinen rothen Korallenknöpfchen, die 2 8 7 5 Fell,

wie Glutfunken unter den zierlichen Spitzen hervorleuchten, dein dunkles

Haar, einfach um die liebe Stirne arrangirt, voll und glänzend von den 3 2 7 5

Schläfen zurückgeſtrichen! Dort eine Stelle zu küſſen, um dann meinet⸗

wegen zu ſterben! O, es iſt zum Raſendwerden! Ein ſolcher Sonntag⸗Nachmittag!

Er bedeckte ſeine Augen mit der rechten Hand, während er die linke feſt auf den Tiſch, zu dem er getreten war, aufſtützte.Jetzt ſteht ſie wohl bei der großen Linde am Ende des kleinen Parkes, da wo man die entzückende Ausſicht ins Thal hat, auf den Fluß, wie er ſich durch die Weinberge dahin ſchlängelt, auf die fernen maleriſch geformten Berge mit ihren Kapellen und Burgruinen da ſteht ſte wohl in dieſem Augenblicke, und denkt viel⸗ leicht wohl gar an einen Narrn? fragte er ſich ſelber und ſetzte dann mit zuſammengebiſſenen Zähnen hinzu:Ja, an einen Narrn, der in dem Augen⸗ blicke, wo ſich das Glück allgewaltig und unſäglich ſchön auf ihn herabzu⸗ neigen ſchien, es im tollen Uebermuth für immer von ſich ſtieß! Hol der Teufel dieſen Narrn! Aber ich will ihn beſtrafen, ich will ihn peinigen, ja er ſoll mit mir hinaus, ich will ihn in den Wald hinaufführen, an jene Stelle, wo ſie mir entſchwand, und dort ſoll er ſchmerzerfüllt den kleinen