Jahrgang 
1 (1861)
Einzelbild herunterladen

Von F. W. Hackländer. 9

gnädige Herr zum kleinen Bob hinabwandte.Was dich anbelangt, junger Schlingel, ſagte er in langſamem klarem Tone,ſo habe ich dir noch kein Wort darüber geſagt, daß du dir neulich das ſehr kindliche Vergnügen gemacht, mit Kreide meinem Rappen weiße Flecken zu malen. Wenn das wieder vorkommt, ſo werde ich für einige ſchwarze Flecken auf dein weißes Fell beſorgt ſein, darauf kannſt du dich verlaſſen. Dir aber, Joſef, erlaube ich mir zu bemerken, daß ich es mir ein- für allemal verbitte, dir Abends, auch wenn du Urlaub haſt, mit ſo ſchwankenden Schritten zu begegnen, wie neulich du weißt's wohl! Damit ließ er ſein Pferd gehen, und ritt vom Thor ſeines Hauſes trotz der Omnibus, Fiaker und Fußgänger, von denen einer der erſteren hierdurch genöthigt war, plötzlich zu halten, quer in die Straße, wofür ein Fiaker, der rechts ausweichen mußte, einen tüchtigen Fluch zwiſchen den Zähnen murmelte, und wogegen ſich ein geſtnnungstüchtiger Familienvater mit der Bemerkung auflehnte, daß dieſer ariſtokratiſche Ueber⸗ muth wirklich kaum zu dulden ſei, und daß es Leute gebe, die nichts gelernt und nichts vergeſſen hätten.

Er hörte übrigens nichts davon und ritt langſam, durch verſchiedene Seitenſtraßen, der breiten Allee zu, die ſich mitten durch den königlichen Park zog, und wo glänzende Cquipagen im Schritt auf- und abfuhren. Es war das eine Art Corſo, deſſen Treiben er in einem Seitenwege eine Zeit lang forſchend zuſchaute. Immer dachte er an eine gewiſſe Caleſche, die zuweilen hier zu ſehen, und hoffte und fürchtete zu gleicher Zeit, ſie auch heute vorüber kommen zu ſehen.Da nun doch einmal alles verloren iſt, murmelte er, ſo gäbe ich viel darum, wenn ich mich überzeugen könnte, daß ich doch recht gehabt! Wenn ſie jetzt hier erſchiene an der Seite ihres Vetters, und wenn es mir vergönnt wäre, alsdann mit lächelndem Gruß bei ihr vorüber zu reiten! Ah, wenn man doch eine ſolche Genugthuung haben könnte! Aber ſie wurde ihm nicht zu Theil, dieſe Genugthuung. Wagen an Wagen kam vorüber, doch der erwartete war nicht darunter. Er ſetzte ſein Pferd in ſcharfen Trab und ritt auf dem Seitenwege, ziemlich durch die Gebüſche verdeckt, die ganze Reihe ab, hier hinunter, an der andern Seite wieder hinauf, unverwandt auf die Equipagen blickend, mit einem Auge, wel⸗ ches die Eiferſucht geſchärft.

Nichts, gar nichts, keine Spur von ihr oder ihrem Wagen! Er athmete tief auf und verließ den Park in einem animirten Jagd⸗Galopp. Wohin nun weiter? In den Wald hinauf, an das Flußufer,