Jahrgang 
1 (1861)
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4 Zwiſchen zwei Regen.

blickte träumend an den Himmel empor und auf die grünen Berge, welche die Stadt umgaben, und hie und da zwiſchen den Häuſerlücken ſichtbar waren. Es war ein heißer, ſchwüler Auguſt⸗Nachmittag. Schon am Morgen zogen Gewitterwolken über das dürſtende Land hin, vergingen aber, ohne ſich ent⸗ laden zu haben, und machten die Atmoſphäre noch dunſtiger. Auch jetzt überlief der Himmel wieder mit leichtem florartigem Gewölk, welches aber nur der Vorläufer ſchien von ſchweren dunkelgrauen Maſſen, die am Hori⸗ zonte rauchähnlich emporquollen. Regen konnte es wohl noch heute Nach⸗ mittag geben. Doch ſchien ihn keiner von den Vorüberwandelnden zu fürchten, obwohl man häufig ſah, wie ſich die Blicke nach dem Himmel richteten. Es war im Allgemeinen kein regneriſches Jahr.Ha, ſagte dieſer oder jener, nachdem er ſeine weißen Sommerhoſen betrachtet, oder eine Dame zur andern in roſa und gelbem Jaconett,was thut ſo ein kleiner Spritzer? Das kühlt die Luft ab und legt den Staub.

Der junge Mann am Fenſter ich glaube, wir haben vergeſſen, dem Leſer zu ſagen, daß der gnädige Herr ein junger Mann war, und fühlen uns jetzt noch gedrungen, hinzuzufügen, daß er ein ſehr hübſcher junger Mann von etwa 28 Jahren, kein Beau, aber ein Mann mit einem offenen und ehr⸗ lichen Geſichte, breiter, verſprechender Stirne, klaren hellen Augen und angenehm geformtem Munde. Auf ſein Haar allein hätte er eitel ſein können, wenn er es nicht auch auf andere Dinge geweſen wäre, denn dieſes volle Haar von blonder Farbe cendré war von einer Weiche und dabei ſo lockig und glänzend, daß ihn jedes Mädchen darum beneidete. Jetzt als er ſich vom Fenſter wieder aufrichtete und mit einem tiefen Seufzer in das Zim⸗ mer zurücktrat, ging er mit dieſem ſchönen Haar höchſt unbarmherzig um, denn in ſeiner augenſcheinlichen Ungeduld fuhr er mit den Fingern nach allen Richtungen darin herum, während er ausrief:Nein, das iſt nicht zum Aushalten! Wenn ich nur nicht ſo ein Narr geweſen wäre, und mich aus meinem eigenen Paradies vertrieben hätte, freilich ſteht kein Engel mit

flammendem Schwert davor, aber wenn ich bedenke, wie ſie ihren kleinen

Mund lächelnd verziehen würde! Ach, dieſer reizende Nund! Er preßte ein paar Secunden lang ſeine Rechte vor die Augen.Wenn ſie ihr Näschen zuſammenzöge ach, und ſie kann das auf eine Art zum

Verrücktwerden, und wenn ſie nun mit wirklichem oder erkünſteltem Er⸗ ſtaunen ihrer unausſprechlich ſchönen Augen mich fragte:Ah, Sie kommen

doch wieder? Nein, nein, nein! rief er mit lauter Stimme,wahr⸗