Von F. W. Hackländer. 3
mittage verdrießlich zu ſein, daß ſie allein ſtille ſteht, während das Menſchen⸗ volk zu Fuß, zu Pferd, zu Wagen, oder auf ſchaukelndem Boot nach allen Richtungen jubelnd und lärmend hinzieht.— Gerade wie jetzt da unten,“ fuhr er nach einer Pauſe fort, während er ſich erhoben hatte und an das Fenſter getreten war, um all das Vorbeiziehende zu überblicken.
Das war denn auch bunt und mannigfaltig genug, lärmend und gewiß höchſt ergötzlich für jeden, der in Geſellſchaft mitzog. Da raſſelten die ſchwe⸗ ren Omnibus vorüber, angefüllt im Innern, angefüllt auf dem Dache, ja dort ſtand noch Einer hinten auf dem Tritte, der zu ſpät gekommen war, und nothwendig mit mußte, ein Muſikant nämlich; er hatte ſein Klapphorn auf dem Rücken hängen, und wenn er zurückgeblieben wäre, ſo hätte der Harmonie im Tivoli draußen die Oberſtimme gefehlt. Ein großes Sonn⸗ tagsunglück, aber man konnte ſich beruhigen, der Omnibus brachte ihn zur Zeit an Ort und Stelle. Dieſes Klapphorn, welches weithin leuchtete, war wieder eine große Aufmunterung für viele Fußgänger.„Seht ihr wohl, Kinder,“ ſagte dort der wohlgenährte Familienvater, der mit ſeiner Frau und einem halben Dutzend Sprößlingen nachſchwebte,„draußen iſt Muſtk, und wir kommen zur Zeit hin. Vor dem Thore fährt der Omnibus lang⸗ ſam den Berg hinauf, da kommen wir ihm ſchon voraus, alſo munter, munter!“ Damit zog die Familie vorbei, rührig, als wollten ſte noch 20 Stunden marſchiren, der Vater voran, die Mutter mitten in einem Haufen von 12 zappelnden Kinderbeinen.— Feinere Geſellſchaft fuhr in eigenen Wagen und Droſchken, und immer ſtrebte einer dem andern voraus, zwiſchen der bunten Flut der Fußgänger dahin, Bürger und Militär, Weiber und Kinder, alles durch einander. Das zweierlei Tuch war ſtark vertreten in allen Graden— Lieutenants, die meiſt allein und würdevoll einherſchritten, Unteroffiziere zu 3 und 4, und die Gemeinen paarweiſe wie aus der Arche Noa. Mitunter erſchienen gute harmloſe Sonntagreiter auf gemietheten Pferden, welche einen zappelnden Trab gingen, und vor allen erdenklichen Gegenſtänden zu ſcheuen ſchienen— die Pferde nämlich; denn der Reiter mit krampfhaft aufgezogenen Knieen, rothem ſchwitzendem Geſichte, welches aber jammervolle Verſuche machte, heiter und vergnügt auszuſehen, den Hut ſtark auf dem Hinterkopfe tragend, ſcheute nur vor einem, daß ihm nämlich ſchon innerhalb der Stadt etwas Menſchliches begegnen könnte.
Der am Fenſter hatte ſich in Kurzem am Gewühl drunten ſattgeſehen, legte ſich auf die Fenſterbank, unterſtützte das Kinn mit der rechten Hand und
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