Jahrgang 
1 (1861)
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2 Zwiſchen zwei Regen⸗ verdrießliche Miene und behielt immer noch zögernd die Thürklinke in der Hand. Es war ja ein Sonntag⸗Nachmittag, und dieſe gleiche Idee beſchäf⸗ tigte, auf verſchiedene Art, Herrn und Diener.

Ah, ſagte der Erſtere, indem er den Kopf halb herumwandte,du möchteſt mit der langweiligen Menge da unten hinausziehen vors Thor in einen Biergarten, wo die Muſik dudelt, dir einen vergnügten Tag machen, dich amuſtren. Nun ich hätte im Grunde nichts dagegen, wenn es auch ſchon wahr iſt, daß ich dir in der Woche freie Zeit genug laſſe, um deine Gelder durchzubringen. Aber heute Nachmittag.Befehlen der gnädige Herr zuerſt doch noch Kaffee? fragte der Bediente raſch, wobei er ein ſo liſtiges Geſicht machte, daß man wohl ſah, er freue ſich über ſeine eigene Klugheit.Nein, erwiderte der gnädige Herr trocken;ich wollte nur ſagen: aber heute Nachmittag muß ich mir überlegen, ob ich dich nicht noch brauche.Der Kammerdiener geht nicht aus, gnädiger Herr, erlaubte ſich der Reitknecht ſchüchtern zu bemerken;er ſitzt auf ſeinem Zimmer und liest im Geſangbuche.Worin wir ihn nicht ſtören wollen.Hm, hm, huſtete der an der Thüre,auch iſt Bob im Stall.Bob iſt ſehr gut, um die Pferde im Stalle zu beaufſichtigen, wenn ich aber ausreiten will, was vielleicht doch noch geſchieht, ſo kann ich nur deine kundige Hand gebrauchen; das iſt ſehr ſchmeichelhaft für dich und damit gib dich vorder⸗ hand zufrieden. Sehr feine Ohren hätten einen leiſen Seufzer vernehmen können, welcher durch das Gemach zog, dann wurde die Thüre leiſe geöffnet und ſchloß ſich eben ſo geräuſchlos wieder.

Der gnädige Herr bewegte ſich ſo heftig in ſeinem Fauteuil, daß dieſer krachte und dann ſeufzte er ebenfalls; aber es war ein heftiger Seufzer, der mit einem finſteren Murmeln:Hol's der Henker, endigte.Wahr iſt es und bleibt es doch, ſprach er alsdann vor ſich hin,ſo ein Sonntag⸗ Nachmittag iſt das allerlangweiligſte, was es auf Gottes Erdboden gibt, und man mag ihn verleben, wo man will, im Norden oder im Süden, d. h. wenn man ihn allein verlebt. Ueberall geputzte Menſchen und lachende Ge⸗ ſichter, worunter man ſich ſo kalt und einſam fühlt! Alles ſtrebt mit Händen und Füßen einem Ziele zu, während man ſo ganz allein nicht weiß, wohin man ſeine Schritte lenken ſoll. Das ging mir an Sonntag⸗Nachmittagen gerade ſo auf der Newski Perſpective in Petersburg, wo ich hundertmal die Uhr an dem großen Cadettenhaus betrachtete, und auch auf Sancta Lucia in Neapel. Ja, da ſcheint ſogar ſie, die große herrliche Natur, an einem ſolchen Nach⸗