Zwiſchen zwei Regen. Skizze
F. W. Hackländer.
„Ich habe nur fragen wollen, ob der gnädige Herr keinen Kaffee befehle?“—„Nein,“ erwiderte der gnädige Herr, mit ziemlich barſchem Tone und ſetzte nach einer Pauſe ärgerlich hinzu:„das iſt nun ſchon das drittemal, daß du ungerufen hereinkommſt und dir Fragen erlaubſt, ehe ich dir dazu Veranlaſſung gebe. Warte, bis ich rufe.“ Der gnädige Herr ſaß auf einem Fauteuil am Fenſter ſeiner eleganten Wohnung, beide Füße vor ſich ausgeſtreckt, die Hände in den Taſchen eines kurzen Morgenrocks und eine Cigarre zwiſchen den Zähnen, mit welcher er allerlei gerade nicht zum Rauchen nothwendige Bewegungen machte, wobei er den Dampf bald zwi⸗ ſchen dem rechten, bald zwiſchen dem linken Mundwinkel herausblies, zuweilen an die Zimmerdecke hinaufblickte oder zum Fenſter hinaus an den Himmel—
alles aus purer Langerweile.— Es was ein Sonntag⸗Nachmittag. Der Diener des gnädigen Herrn, an dem nichts Beſonderes zu ſehen war— er trug einen dunkeln eiſenfarbenen Livreerock mit tiefblauem Kragen,
weißer Halsbinde, und da er unten mit kurzen Lederhoſen und Stiefeln mit Sporen bekleidet war, ſo rathen wir nicht falſch, wenn wir ihn zum Stall⸗ departement zählen— ſtatt ſchnell hinauszugehen zögerte an der Thüre, rückte einen Stuhl, der gerade ſtand, noch gerader, ſetzte unnöthigerweiſe die Klingelſchnur in perpendiculäre Bewegung, um ſie alsdann wieder feſt⸗ zuhalten, kratzte ſich im Haar und richtete ſich ein paarmal auf den Zehen empor, den vergeblichen Verſuch machend, auf die Straße hinabzublicken, von wo Wagengeraſſel, Schritte der Vorüberwandelnden und häufig Lachen und Plaudern zu den geöffneten Fenſtern hereindrang. Er machte dabei eine Hausblätter. 1861. I. Bd. 1


