Jahrgang 
1 (1861)
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Von F. W. Hackländer. 5

haftig noch lieber ins Tivoli, um mich dort mit einem Luiſen⸗ oder Amalien⸗ walzer martern zu laſſen! Ich war ein Narr, das ſteht feſt.

Er hatte ſich nun ins Fauteuil geworfen, ſtreckte die Finger der rechten Hand voneinander, und legte den Zeigefinger der Linken an den Daumen der Rechten, um ſyſtematiſch abzählen zu können, was ihm am heutigen Sonn⸗ tag⸗Nachmittag vom irdiſchen Dieſſeits übrig bleibe, da ihm ſein himmliſches Paradies verſchloſſen.Ich kann mich zu Fuß unter den Menſchenkneuel mengen, um in irgend einem Wirthſchaftgarten allein unter Tauſenden auf harter Bank ſchlechteren Kaffee zu trinken, als ich ihn auf meinem bequemen Fauteuil jeden Augenblick haben kann, hier mit Ruhe, dort unter unaus⸗

ſtehlichem Gedudel. Ich kann mir einen Fiaker kaufen und am Fluſſe entlang, wo es heute Nachmittag wenig Menſchen gibt, ſpazieren fahren! Doch nein, nein, von da ſteht man viel zu gut hinauf nach der kleinen Reben⸗ und Wald⸗ halde, wo das Haus mit dem grauen Schieferdach ſteht, über welches empor das kleine Glockenthürmchen mit ſeiner vergoldeten Spitze im Sonnenlicht

funkelt und ſtrahlt! Das wäre mir ein behaglicher Sonntag⸗Nachmittag⸗ Anblick! ſetzte er ſeufzend hinzu.Ich könnte auf die Eiſenbahn gehen,

mich mit Zertretung meiner Hühneraugen bis zur Caſſe durchdrängen, ein Billet kaufen und zwiſchen die Berge fahren, dort ausſteigen und einen ein⸗ ſamen Spaziergang machen ja einſam einſam und immer einſam:

Allein, allein, und das der Wildniß Segen?

Allein, allein, kein einzig Weſen,

Um dieſes Saupt an ſeine Bruſt zu legen!

Ich könnte ſatteln laſſen und in den Wald hinaufreiten, der ſich hinter dem Hauſe mit dem grauen Schieferdache erhebt, dort bis zu der kleinen Moosbank, welche den Stamm einer gewaltigen Linde umgibt, und homöo⸗ pathiſch auf meinen Seelenſchmerz einwirken. Doch an jener, ich will nicht ſagen verfluchten, aber verzauberten Stelle, wo ich meiner eiferſüchtigen Hef⸗ tigkeit die Zügel ſchießen ließ, und jenes unbedachte Wort ſprach, auf welches ſie mich erſtaunt anſchaute, überraſcht, erzürnt, die feinen Lippen zuſammen gebiſſen, die ſchönen Augen flammend! O ich Narr des Glücks oder vielmehr des Unglücks! Dieſe ſchönen Augen, die mich einen Moment vorher ſo wunderbar lieb und freundlich angeblickt, und es blieb nicht einmal bei dem zürnenden Ausdruck ihres Geſichtes, den hätte vielleicht meine tiefe Reue verwiſcht! Nein, lachte ſie doch gleich darauf laut und luſtig, eigentlich grell und höhniſch, und ehe ich es mit guten Worten hindern