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476 Nachträge zu„Lenau in Schwaben.“
noch verwandter als Beethoven zu ihm geſprochen, weßhalb Niembſch denn daheim bei den Gaſtfreunden auch häufig ſich der ächt ſchwäbiſchen Redeweiſe bediente:„Er müſſe heute noch zum Schoppen.“—
Lenau's Braut ſollte ich, nachdem doch ſchon ſo viele Fäden zwiſchen uns hin und her liefen, durch ein widriges Ungefähr, das uns einander immer verfehlen ließ, erſt im Herbſte 1855 kennen lernen. Ich habe hier nicht weiter über ſie zu reden, aber als ich ſie nun den ganzen Abend vor mir gehabt, dieſe„Wittwenbraut“, in ihrer ganzen unbeſchreiblich anziehen⸗ den Erſcheinung, in ihrer ſo hohen geiſtigen Schönheit, ihrer ſo holden, zarten Weiblichkeit, da verſtand ich Lenau erſt ganz. Dieſe liebte er wie einen Schutzgeiſt; jene andere Frau umglühte ihn mit dämoniſcher Leidenſchaft. Himmliſche und irdiſche Liebe rangen beide um das Dichterherz.—
Zur Charakteriſtik, wie Lenau in das Leben junger ſtrebender Geiſter hineinſah, theile ich noch eine Begegnung mit, welche mir Joſef Rank er⸗ zählte.„Ich kam,“ ſagte er,„in Wien auch in das Kaffeehaus von Neuner, wo Lenau, Auersperg, und alle die litterariſchen Größen waren. Ich be⸗ trachtete ſie nur von fern, ich hielt mich verborgen, ich hatte noch gar nichts geleiſtet. So viele junge Männer hörte ich, welche davon ſprachen, daß ſie dieſe Berühmtheiten beſucht hatten. Ich wollte nicht ſo hinlaufen— nun gar in den Morgenſtunden, die ja ſo heilig ſind! Da veröffentlichte einer meiner Freunde ein Novellenbuch, in welchem er auch von mir eine Geſchichte druckte, und gab es auch an Niembſch. Ich wußte nichts davon und kam wie gewöhnlich auf das Kaffeehaus. Da ſtand juſt Lenau am Billard mit dem Billardſtocke in der Hand, etwas vorgebeugt. Ich werde es nie ver⸗ geſſen. Wie er mich ſah, blitzte etwas in dem Auge auf; es ward ganz hell davon, bekam einen wunderbaren Ausdruck, und er ging auf mich zu, reichte mir die Hand und ſagte:„Ich habe das von Ihnen geleſen; das iſt aber recht hübſch; es hat mich gefreut.“— Ich bin nachher gleich nach Hauſe gegangen mit meiner Freude, um ſie ganz bei mir zu haben,“ ſetzte Rank ſo recht innig hinzu.
Zum Beſchluſſe will ich Lenau ſelbſt reden laſſen in zwei nachträglich und erſt jüngſt aufgefundenen Briefen an Juſtinus Kerner, welche mir der Eigenthümer zum Copiren überließ. Auf dem erſten Blatte ſteht von ſeiner „Vielleicht anno 32— 33 2“—
Hand:


