Jahrgang 
4 (1860)
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Nachträge zuKenau in Schwaben.

Von

Emma Niendorf.

Lenau hat mich, wie ich es allerdings erſt ſpäter erfuhr eigentlich ſelbſt zu ſeinem Biographen geſtempelt. In jenen Tagen zu Weinsberg, wenn ich mich in dem Kreiſe der Freunde zu lange erwarten ließ, weil ich mir Aufzeichnungen zu machen pflegte, mochte er, dieſe Gewohnheit kennend, gern fragen:Wo iſt denn das Eckerweib?Nicht Höckerweib, fügte Juſtinus Kerner, der es mir erzählte, in ſeinem Humor neckend bei.

Als dieſer an einem Sommernachmittage Lenau, der ſich nicht in der Stimmung befand, fortwährend quälte, einigen Damen der Nachbarſchaft und ſonſtigem Sonntagspublikum, wie es wöchentlich einmal das kleine rebenumkränzte Haus überſchwemmte, etwas vorzuleſen, ſagte der Dichter der Schilflieder endlich, nachdem er vergeblich in den Thurm zur Sieſta geflüchtet und daraus wieder hervorgezerrt war unter den Birnbaum im Garten:Bin ich denn deine Uhrdaß du mich immer aufziehen willſt?

Ein anderes Mal, wo er mit einer jener Chatelaines der Umgegend, einer anmuthigen Frau, in der Laube ſaß und unter den vielen Spielereien, welche ſie an einem Springringe im Armbande trug, auch einen kleinen Todtenkopf von Gold gewahrte, hörte ich ihn bemerken:Das wäre Un⸗ recht, ſo etwas an einen ſchönen Arm zu hängen, an das blühende Leben dieſen Moder zu ketten. Der Tod müſſe auch ſeine Keuſchheit haben, man ſolle das Häßliche umſchleiern, verhüllen. Eine andere ſehr charakteriſti⸗ ſche Scene aus früherer Epoche, die ich nicht miterlebte, ſondern nur durch Ueberlieferung erhielt, iſt folgende: Einmal beim Mittageſſen, während einem längeren Aufenthalte in dem Thale, ſtach Niembſch beim Sprechen mit der Gabel in das Tiſchtuch.Das Rickele ſo nannte Kerner die