Jahrgang 
4 (1860)
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Von F. Peter. 9

Brand vom geſtrigen Tage zu löſchen! Aus Ihm wird wohl ſchwerlich jemals ein nüchterner, reputirlicher Menſch werden, und wohin Er es noch in dieſem Leben bringen wird, das möcht' ich wohl wiſſen! Seiner Sünden ſollte Er ſich ſchämen und bei jetziger ernſthafter Zeit auf ſein Seelenheil bedacht ſein. Des Nachts liegt Er in den Schenken und ſpielt frevelhaft leichtſinnigen Burſchen und Mädchen auf, die ſelbſt bei dem furchtbaren Strafgerichte, das über Wien gekommen iſt, das Tanzen nicht laſſen können, und dabei wird tüchtig gezecht; und bei Tage, wenn andere Menſchen ſchaffen und ſich's ſauer werden laſſen, liegt Er daheim und ſchläft ſeinen Rauſch aus, oder ſitzt im Weinhauſe hinter der Spielkarte. Glaubt Er nicht, daß bei ſolchem wüſten, unordentlichen Leben Ihn auch einmal die Peſt beim Collet faſſen und auf das Todbett werfen wird? Du heiliger Joſeph, wie war mein Vater ſelig ſo mäßig und nüchtern! Nur wenn er des Tages Laſt und Arbeit hinter ſich hatte, trank er in dem grünen Haſen ſeinen Schoppen Landwein, und wenn ein Sonn⸗ oder Feſttag kam, ging er mit der Mutter und mir hinaus in die freie Natur und genoß mit uns die friſche Luft. Das war doch ein braves und mäßigs Leben, und dennoch hat es ihn angepackt und hingeſtreckt. Er liederliches Unkraut läuft aber trotz ſeiner Schlemmerei noch immer herum, bis es endlich auch über Ihn kommen und ein Ende nehmen wird mit Schrecken!

Ach meine herzallerliebſte Thereſt, entgegnete Auguſtin, der während dieſer Strafpredigt ſich im Bette aufgerichtet hatte,weißt du nicht mehr, wie der Pater Abraham vor nicht ganz vierzehn Tagen in ſeiner Predigt geſagt hat: ‚Der Weizen wird gemähet und an das Korn geht die Senſe, aber das Unkraut, wenn man es gleich mit Feuer vertilgen wollte, vergehet nimmermehr! Ich bin zwar nicht ſelbſt in der Kirche geweſen, aber ich habe mir es von Leuten erzählen laſſen, die dort waren, und es hat mein Herz wunderlich geſtärkt bei ſo böſen Tagen, wie man ſie jetzt erleben muß; ‚das Unkraut verliert ſich nimmermehr! Das will halt ſo viel ſagen, als der Auguſtin braucht ſich keine Sorgen zu machen, er kann ſein luſtiges Leben noch genießen, zu ihm kommt der blaſſe Tod ſo bald noch nicht; denn er iſt ein luſtiges Unkraut, und das Unkraut verliert ſich nimmermehr! O des Frevels, den der Saufaus mit ſeinen läſterlichen Reden da begeht! rief entſetzt die Thereſt;es ſollte einen Chriſtenmenſchen wahrlich nicht wundern, wenn einmal das himmliſche Strafgericht über Ihn hereinbräche, und wenn mich ſein ehrliches, treues Gemüth nicht dauerte, faſt glaube ich,