Jahrgang 
4 (1860)
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10 O du lieber Auguſtin!

ich könnte mich ſelbſt darüber freuen, wenn es Ihn einmal recht gehörig abſchüttelte! Hat Er es doch ſchon ohne ſeinen Frevel durch ſein liederliches Leben verdient! Ein Skandal iſt es vor Gott und den Menſchen, alle Tage einen Rauſch zu haben!

Ach herzallerſchönſte Thereſt, fiel ihr der Auguſtin in das Wort, was nimmſt du ein Aergerniß an meinen Räuſchen? Sagte nicht dein Vater ſelig es ſelber oft genug: ein Rauſch zu rechter Zeit iſt der Geſund⸗ heit zuträglich und hilft mehr als Aderlaß, Purganz und Schwitzmittel? Ja wohl, das hat er geſagt, aberzu rechter Zeit hat er geſagt, und nicht alle Tage, die in das Land kommen.Thereſt, antwortete ihr der Auguſtin,das verſtehſt du nicht, das ſind keine Frauenzimmer⸗Ange⸗ legenheiten. Das iſt ja eben zu einem Rauſche die rechte Zeit, wenn man bei guten Geſellen ſitzt und luſtige Schwänke einen guten Wein würzen. Was kann ich dafür, daß der gute Wein und die guten Geſellen mir täglich in den Wurf kommen und die luſtigen Schwänke alsdann auch nicht aus⸗ bleiben? Zudem ſollte ich meinen, daß man die rechte Zeit zu einem Rauſche nimmermehr verſäumen kann, wenn man dafür ſorgt, daß täglich ein Rauſch vorhanden iſt.Schwatze doch der Auguſtin nicht ſo abſcheulich und treibe Er doch keine Poſſen, wenn man ernſthaft mit Ihm reden will, ſagte Thereſt unwillig;ſchäme Er ſich was!

Ach wie gern hätte ich mich ſchon längſt geſchämt, entgegnete ihr Auguſtin,wenn man ſich nur nicht allemal umſonſt ſchämen müßte! Es kommt aber nichts dabei heraus und man erſchämt ſich bei dem beſten Willen nichts. Reicht doch das, was ich mir ergeige, nicht einmal ſo weit, daß ein paar lumpige Gulden zu einem neuen Röcklein übrig bleiben. Tag und Nacht wollt' ich mich ſchämen und auch noch Muſik dazu machen, wenn ein neuer Rock dabei herauskäme. Iſt doch mein alter Rock beinahe ſo dünn geworden wie die Gazekleider, mit denen die vornehmen Weibsleute auf den Zimmerball fahren.So ſei Er doch nur vernünftig und laß Er das dumme Geſchwätz und Geſpött ſein, wenn man mit Ihm ein vernünftiges Wort zu reden hat, fiel ihm Thereſt in das Wort,denn ſonſt ſind wir am längſten gute Freunde geweſen. Wenn der Auguſtin nicht ſeiner Lum⸗ perei entſagt und ein ganz anderer Menſch wird, dann mag Er ſich anderswo ein Zimmer ſuchen, ich mag dann nichts mehr von Ihm wiſſen. Ich ſollte ohnehin meinen, Er könnte ſein Brod durch etwas Beſſeres verdienen, als durch ſein Muſikmachen, das Ihn nur in liederliche Geſellſchaft bringt und zum