Jahrgang 
4 (1860)
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O du lieber Auguſtin!

nach dem Bette übrig, den er auch ſo ſchleunig antrat, daß er den Stuhl, auf den er das Kleidungsſtück hängen wollte, mit lautem Gepolter umwarf, und noch hatte er nicht die Decke über ſich gezogen, als ſchon die Thereſt eintrat und einen Napf mit dampfender Mehlſuppe auf den Tiſch ſtellte.

Sie hatte ihn ſpät in der Nacht nach Hauſe kommen hören, hatte aus dem Gepolter, mit welchem er die Stiegen nach ſeinem Zimmer hinaufging, geſchloſſen, daß er ſeinen heiligen Verſicherungen, ſich den Trunk abzuge⸗ wöhnen, zuwider, einen Rauſch von ziemlicher Bedeutung hätte, und hatte ſich vorgenommen, ihm am Morgen, wenn ſie ihm das Frühſtück bringen würde, eine Strafpredigt zu halten, die er ſo bald nicht vergeſſen ſollte. Der ſtrafende Blick aber, mit dem ſte die Suppe auf den Tiſch ſtellte, verſchwand, als ſie des armen Sünders anſichtig wurde; ja ſie konnte ſich ſogar eines leichten Lächelns nicht enthalten, als ſie Auguſtins vergebliche Bemühungen gewahrte, ſie durch einen ſimulirten Schlaf zu täuſchen, denn nur eines ſeiner beiden Augen hatte er geſchloſſen, mit dem andern blinzelte er nach der Thereſt und maß ihre ſchöne Geſtalt.

Ja, ſtell' Er ſtch nur, als wenn Er ſchliefe, redete ihn das Mädchen an;ich habe Ihn wohl hören das Fenſter zuwerfen, ich hab' es auch gehört, wie Er den Stuhl umwarf, ich habe Ihn auch ſehen in das Bett ſchlüpfen, als ich die Thür öffnete. Was ſoll zudem das Gezwinker mit dem einen Auge bedeuten? Glaubt Er, ich bemerke es nicht und ſoll denken, Er ſchlafe nur mit Einem Auge? Will Er mir wohl gleich einen artigen guten Morgen bieten, wie es ſich für einen höflichen Menſchen geziemt? Guten Morgen, Jungfer Thereſt, ſchnarrte Auguſtin mit jener tiefen, klangloſen Baßſtimme, welche ſo häufig den Verräther derer macht, die ihre Gurgel bei einem nächtlichen Gelage mehr als ſich gebührt, auswuſchen.

Schäm Er ſich, Herr Auguſtin, fuhr die Thereſt fort,daß Er ſchon wieder einen ſolchen Brand hat und am hellen lichten Tage mit ſeinem brummenden Kopfe noch zu Bett liegen muß! Ich ſtitze ſchon ſeit zwei Stunden in meiner Bude und bin nur von dem Tandelmarkt nach Hauſe gegangen, damit Er etwas Warmes in ſeinen Leib bekommt; denn als ich Ihn dieſe Nacht die Stiege herauf poltern hörte, da wußte ich wohl, was heute wieder zu erwarten ſtand, und ich habe mich nicht getäuſcht. Da liegt Er in ſchnödem Katzenjammer, und anſtatt zu reden wie andere Menſchen, muß Er bellen wie ein Hund. Ein ſauberes Leben, das der Herr Auguſtin da führt, das ihn täglich nöthigt, ſich von neuem zu betrinken, nur um den