Jahrgang 
4 (1860)
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Von F. Peter. 5

auf Erden nichts hinfälliger als ein Muſikantenleben, namentlich auf dem Wege aus dem Wirthshauſe.

Aber nicht bloß für ſeine Kunſt und das Wirthshausleben ſchwärmte der Auguſtin; tief in ſeinem Herzen hatte eine mächtige Neigung zu einem weiblichen Weſen Wurzel geſchlagen, und Amors Pfeil hatte den Armen ſchwer verwundet. In der Leopoldſtadt draußen, unter demſelben Dache mit ihm, wohnte der Gegenſtand ſeiner Liebe, ein hübſches Mädchen mit bräun⸗ lichem Teint und ſchwarzem Haar und mit noch ſchwärzeren Augen in dem Kopfe, die es jedem anthaten, der in ſie hineinſchaute. Ach ſie war ſo ſchön gewachſen und von ſo üppigen Körperformen, und der Auguſtin hatte dem ſchwarzbraunen Mädchen ſo oft und ſo tief in die gefährlichen Augen hinein⸗ geſchaut, und obendrein war ſie ſeine Wirthin! Sie war die einzige Tochter eines Tandlers, hatte frühzeitig ihre Mutter müſſen zu Grabe tragen ſehen und führte ihrem Vater, der Wittwer blieb, nicht nur ſeine kleine Haus⸗ wirthſchaft, ſondern mußte dem Alten auch bei ſeinem Tandlergeſchäft bei⸗ ſtehen. Schon ſeit einer Reihe von Jahren hatte der Auguſtin ſein Quartier bei dem Tandler genommen, der faſt ſtolz darauf war, den allbekannten lockeren Zeiſig in ſeinem Käfig zu beherbergen. Die Thereſt, die der Augu⸗ ſtin noch als kleines Backſiſchchen gekannt hatte, war unter ſeinen Augen zur ſtattlichen Jungfrau erwachſen, und das lange Zuſammenleben hatte die drei Menſchen ſo an einander gewöhnt, daß ſie nur eine Familie bildeten und der Auguſtin weder von Vater noch von Tochter als ein Fremdling im Hauſe betrachtet wurde. Das alſo an einander gewöhnte Dreiblatt hatte aber der Störer aller menſchlichen Glückſeligkeit, der Tod, vor wenigen Monaten erſt getrennt, denn Thereſt's Vater war gleich eines der erſten Opfer, welche die Peſt bei ihrem Auftreten in Wien forderte, und einſam und verwaist ſtand nun das arme Mädchen in der Welt da.

Dem gutherzigen Auguſtin kam es wie eine Art von Verpflichtung vor ſie nicht zu verlaſſen; er, der bis dahin wohl nie an ein eheliches Leben gedacht hatte, machte ſich nach und nach mit dem Gedanken vertraut, die Thereſi als Frau heimzuführen, und je mehr er ſich mit dieſem Gedanken beſchäftigte, um ſo mehr entdeckte er Reize und Tugenden an ihr, für die er ſeither gänzlich blind geweſen war. Je mehr er aber dem Gegenſtande ſeines Nachdenkens vortheilhafte Seiten abzugewinnen wußte, je mehr war er auch genöthigt, Vergleichungen zwiſchen ihr und ſich ſelbſt anzuſtellen, und dann mußte er ſich freilich manchmal bekennen, daß er dieſer Perle unwerth, und