Jahrgang 
4 (1860)
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4 O du lieber Auguſtin!

Laune und glänzendem Humor wußte er auch jeder geſpielten Melodie, gleichviel ob alt oder neu, ob fremd oder eigen, aus dem Stegreife Tanz⸗ reime unterzulegen, die ſtets ihrer Wirkung ſicher waren, da ſie entweder bekannte Perſönlichkeiten oder Stadtneuigkeiten aus der Chronique scanda- leuse zum Gegenſtande hatten, oder auch ſich auf Vorgänge bezogen, die ſo eben vor den Augen des Spielenden und im Beiſein ſeines Auditoriums ſich zutrugen. Unter Lachen und Kichern nahm ſie gemeiniglich die luſtige Geſellſchaft auf, ſang ſie im Chor nach, und oft verbreiteten ſie ſich von irgend einem Vorſtadt⸗Tanzboden aus wie ein Lauffeuer über die Stadt, ſo daß man ſie ſchon Tags darauf auf Straßen und Plätzen, in Küchen und Kaſernen, ſowie in den Werkſtätten der Handwerker ſingen hörte; vor allem aber in den Wirthshäuſern, wenn gute Geſellen bei einem Kruge kühlen Weins ſcherzten und zechten, hörte man ſeine munteren Weiſen und Reime jubelnd ſingen. Hörte man zu damaliger Zeit in dem luſtigen alten Wien ein neues Schelmenliedchen ſingen, derb und grell, ſo daß einem vor Wohl⸗ gefallen ſchier das Herz im Leibe lachte, dann hatte man nicht erſt nöthig zu fragen, woher es käme. Man war im voraus der Antwort gewiß:das iſt das neueſte Stückel vom Auguſtin.

Kann es daher wohl Wunder nehmen, daß wo auch immer der Augu⸗ ſtin mit ſeiner kleinen Muſikbande zum Tanze auſſpielte, ſich immer die zahl⸗ reichſte und luſtigſte Kompagnie einfand, die es in Wien gab? Und nicht bloß der Handwerksburſch führte ſein ſtrammes Dienſtmädchen hinaus, um mit ihr nach Auguſtins Geige zu tanzen; nein, auch Leute, die etwas vor⸗ ſtellen wollten, Schreiber, Ladendiener und Apotheker⸗Geſellen, Näherinnen, Putzmacherinnen und andere reputirliche Leute miſchten ſich gern unter den tollen Schwarm, der dem Auguſtin folgte, und dieſer war damals eine ſehr bekannte, eine ſehr angeſehene Perſon in der luſtigen Donauſtadt. Ihn kannte jedes Kind, ja faſt möchte man ſagen, jeder Hund kannte ihn, und wenn er an ſchönen Abenden, ſchon in halber Weinſeligkeit, mit der Geige unter dem Arm irgend einem beliebten Tanzplatze zueilte, ſo lächelte ihm alles freundlich nach, ſogar die Schildwachen in den Schilderhäuſern und die Mädchen an den Brunnen riefen ihm wohl ſcherzend nach:Hopp, hopp, Herr Auguſtin! Nehm' Er ſich vor dem Glatteis in Acht! Was die Mädchen aber mit dem Glatteiſe meinten, das wußte der Auguſtin recht wohl; denn ſeit er einmal mitten im Sommer, als er des Nachts nach Hauſe ging, geglaubt, er wäre auf das Glatteis gerathen, ſagte er immer, es wäre

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