2 O du lieber Auguſtin!
mit dem gefürchteten Fuhrwerke zu warnen, deſſen Ladung durch ihre Aus⸗ dünſtung Tod und Verderben rund umher verbreitete, theils um denen ein Zeichen zu geben, in deren Behauſungen Peſtleichen der Fortſchaffung harr⸗ ten, und an die murmelnden Geſänge frommer Brüderſchaften, die ſchon oft vor Grauen des Tages oder noch zu ſpäter Nachtzeit bei Fackelſchein einen der ihrigen auf ſeinem letzten Weg begletteten, hatte ſich das Ohr faſt ſo gewöhnt, wie an das frohe Leben und Geräuſch, welche vor Ausbruch der Peſt die Straßen und Plätze der Stadt erfüllten. Waren nun aber bei dieſem entſetzlichen Unglück auch während des Tages die Kirchen mit Beten⸗ den erfüllt, die Buß⸗ und Bittgeſänge an die ewige Vorſehung richteten, um ihre Gnade herabzuflehen auf das bedrängte Wien, ſo hörte man doch auch vom Dunkeln des Abends an bis tief in die Nacht hinein in einzelnen Schenken der Stadt und der Vorſtädte die Geigen und Flöten ſo luſtig zum Tanze aufſpielen, als wollten ſte allem Jammer und allem Elend Hohn ſprechen und nimmer verſtummen. Freilich war bei ſo trauriger Zeit eine Zerſtreuung das zunächſt liegende Bedürfniß für viele, und man wollte ſein Leben genießen, bevor die Scheideſtunde ſchlug, deren Eintritt man ſtets zu gewärtigen hatte. Oftmals, wenn bei Anbruch des Tages heim⸗ kehrende Paare von dem Tanzboden oder verſpätete Zecher aus irgend einem Weinhauſe ihrem Nachtlager zueilten, ſahen ſie ſich genöthigt, bald nach rechts, bald nach links Umwege durch Seitengaſſen einzuſchlagen, weil ferner Fackelſchein oder das Läuten des Peſtglöckleins das Herannahen eines der gefürchteten Peſtkarren verkündigten.
Zu damaliger Zeit lebte in Wien ein luſtiger Menſch, nach den Be⸗ griffen allzu ehrbarer Leute ein Erz⸗Nichtsnutz, der unſerm Herrgott auf die heiterſte Weiſe von der Welt die Tage durch Pflaſtertreten, Wirthshaus⸗ beſuch und Kartenſpiel abzuſtehlen wußte und oft, wenn die Sonne ſchon hoch am Himmel ſtand, noch auf ſeinem Dachſtübchen in der Leopoldſtadt draußen im Bette liegend angetroffen wurde, ſo daß man ihn ſchier für einen großen Herrn hätte halten müſſen, hätte man nicht gewußt, daß große Herren in Dachſtuben zwiſchen den Hahnenbändern nur ſehr ſchlecht gerathen.
dieſe Täuſchung zu erhöhen. Daß dieſer luſtige Liedrian jedoch zu gar nichts nutz war, das glaube man aber bei Leibe nicht, denn ebenſo wie er ſeine Tage in ſüßem Nichtsthun vergeudete, ebenſo opferte er bereitwillig dem N.—
/ Zergnügen ſeiner Mitmenſchen ſeine Nächte, denn er war ein Jünger der
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