O du lieber Auguſtin!
Schwank aus Wiens Vorzeit. Von
F. Peter.
Freude am Genuß, frohe Lebensluſt und Kindlichkeit des Gemüthes ſind ein ſchönes Erbe, das die Begründer der Kaiſerſtadt an der Donau ihren Nachkommen hinterließen, und dieſes Erbe ſchmückt die fröhlichen Wiener mit einer immergrünen Jugend, die auch dann noch nicht weicht, wenn ihre Häupter im Schmucke des Silbers erglänzen oder kahle Scheitel ſie an den Herbſt des Lebens erinnern. Jederzeit wußte aber auch das lebensfrohe Wien ſein ſchönes Erbe zu bewahren und ſelbſt wenn harte, ſchwere Zeiten über das luſtige Völkchen hereinbrachen, halfen ihm Frohſinn und Scherz leichter über dieſelben hinweg, als zittern und zagen, als weinen und klagen.
So war es auch als im Jahre 1679 ein gefürchteter, ſchlimmer Gaſt, die Peſt, ſich in die Mauern der Kaiſerſtadt eingeſchlichen hatte und zahl⸗ reiche Opfer aus allen Klaſſen der Bevölkerung forderte. Zu jeder Stunde des Tages hörte man in den Straßen der Stadt das dumpfe Rollen der Peſtkarren, welche beſtimmt waren, die Leichen der Verſtorbenen vor die Stadt hinauszuſchaffen, wo man in großen Gruben, Peſtlöcher genannt, die Todten maſſenweiſe beſtattete, da es an Arbeitskräften mangelte, um Särge in hinreichender Menge zu zimmern und für jedes Opfer der verderblichen Seuche ein beſonderes Grab zu graben. Nur denen, deren Hinterlaſſene mit Glücksgütern reichlich geſegnet waren, um ſolchen Luxus beſtreiten zu können, war es vergönnt, in einem Sarge und in einem beſonderen Grabe dem Auferſtehungsmorgen entgegen zu ſchlummern. Bei Tag und Nacht vernahm man das Läuten des Peſtglöckleins, welches ſtets den Peſtkarren vorausgetragen wurde, theils um die Leute auf der Straße vor Begegnungen
Hausblätter. 1860. IV. Bd. 1


