Jahrgang 
3 (1860)
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478 Die Berauſchung durch Hanf.

ſinnige Wagniß. Ich fühlte mich von einer Rieſenkraft gepackt, und meine Bruſthöhle ſchmerzte immer ärger; Mund und Kehle waren völlig ausge⸗ trocknet und hart wie Erz, während die Zunge wie glühendes Eiſen brannte. Ich griff nach einem Waſſerkruge und trank mit wilder Gier, aber es war, als ob ich Luft verſchluckte, und ich ſpürte keine Linderung. Mitten im Zimmer ſtehend ſchwenkte ich meine Arme, reckte ſte weit aus und ſtöhnte fürchterlich. Ich ſah nichts mehr, hörte aber, wie der Engländer ſagte: Das kann er nicht durch Verſtellung machen, es muß wahr ſein. Seht nur, wie ſein Geſicht ſich verzerrt! Bald nachher erſcholl ein raſendes Gelächter; mein amerikaniſcher Landsmann ſprang vom Sopha und rief: Ich bin in eine Lokomotive verwandelt! Das Haſchiſch hatte auch auf ihn gewirkt, und lange Zeit lief er im Gemach umher, puffte wie eine Dampfmaſchine und ſchlenkerte die Arme als wären ſie Räder. Der Eng⸗ länder zog ſich in ſein Zimmer zurück, als er fühlte, daß die Reihe des Irreſeins an ihn kam, und er hat nie etwas über ſeine Viſionen mitgetheilt.

Es mochte jetzt um Mitternacht ſein. Ich war durch den Paradieſes⸗ himmel des Haſchiſch geflogen und mußte nun auch den Höllenabgrund durchwandern. Hatte ich doch, wie ich ſpäter erfuhr, eine ſechsfache Doſis genommen! Nun ſprang mein Blut in den Adern wie ein Waſſerfall, und in meinen Ohren war ein Getöſe, wie jenes vom Niagara. Meine Augen waren unterlaufen und ich konnte nichts mehr ſehen, mein Herz ſchlug fürch⸗ terlich, und ich meinte, es müſſe mir die Bruſt zerſprengen. Ich wollte die Pulsſchläge zählen, als ich aber die Hand auflegte, fühlte ich zwei Herzen ſchlagen; das eine pochte tauſendmal in der Minute, das andere war lang⸗ ſam, bleiſchwer. Es war mir, als ſtehe Blut in meiner Kehle und wolle mich erſticken; Blut floß aus meinen Ohren auf Wangen und Schultern. In einem Anfall von förmlichem Wahnſinn rannte ich aus dem Zimmer auf die Dachterraſſe des Hauſes. Ich hatte einmal in einem Gedicht geleſen, wie ein Roß ſchaudernd an einem Abgrunde ſtand und langſam in denſelben hinabſank. Dieſes Bild trat mir jetzt vor die Seele; ich kam mir vor wie jenes arme zitternde Thier, das die Nüſtern weit geöffnet hielt und welchem Schaum vor dem Maule ſtand. Ich glaubte mich auf einem hohen Thurme und mir ſchwindelte; der Abgrund zog mich mit unwiderſtehlicher Gewalt an. Unwillkürlich taſtete ich in meinem Geſicht umher; ich wollte wiſſen,

ob es in einen Pferdekopf verwandelt worden ſei. Aber wie gräßlich! Alles

üſt übrig; ich war ein Skelett

Fleiſch war fort und nur das Knochengerü