Die Berauſchung durch Hanf.
es nur folgerichtig, daß ein Theil der Mäßigkeitsmänner ihn eben ſo wohl ko verſchmäht wie den Tabak und den Wein, und daß ſie kein anderes Getränk T gelten laſſen, als das klare Waſſer. Aber was ſind die Folgen? Ich erinnere 3 d ¹ mich in einem amerikaniſchen Blatt den Bericht eines Todtenbeſchauers ge⸗ 6 ad leſen zu haben, der darauf hinausging, daß der Verſtorbene ſein Leben durch G den Genuß von Gewürznäglein verloren habe. Der Mann hatte ſogar den ſe 1 Kaffee verſchmäht, aber dem Drange nicht widerſtehen können, ſeinem Körper en ' ein Anreizmittel zu gewähren, deßhalb kauete er Gewürznelken in ſolchem ho Uebermaß, daß er daran ſtarb. Alle Uebertreibungen ſind naturwidrig. 3 b Der Prophet des Islam verbietet bekanntlich ſeinen Anhängern den ue h 4 Genuß geiſtiger Getränke, und ſie entſchädigen ſich dafür mit Opium oder d Hanf, zwei Mitteln, welche der Orient, von der Küſte Kleinaſtens bis zu m 6 1 den chineſiſchen Geſtaden am großen Weltmeer, in ungeheurer Menge ver⸗ d 3 braucht. Während Türken und Chineſen das erſtere vorziehen, genießen die 1 Araber vorzugsweiſe Haſchiſch. Das Wort bedeutet ganz einfach Kraut p 1 1 im Allgemeinen, wird aber insbeſondere von unſerm gewöhnlichen Hanf 6 gebraucht. Daſſelbe enthält ein eigenthümliches Harz von ſchön grüner 1 1 6 Farbe, iſt kleberig-zäh und hat einen unangenehmen Geſchmack. In der 1 1 * Wiſſenſchaft wird es als Haſchiſchin bezeichnet. Aber im Morgenlande be⸗ h 4* 1 reitet man Haſchiſch in der Art, daß man Stengel und Blüthen des Hanfes 2 4 benützt, die getrocknete Pflanze zu Pulver zerſtößt und daſſelbe mit Zucker 1 4 oder anderen Süßigkeiten vermiſcht. Nicht ſelten kocht man dieſen Staub 2 4 in etwas Waſſer, das man verdunſten läßt, ſetzt dann friſche Butter und g Honig hinzu und bereitet daraus einen Teig, welcher in Aegypten als Da⸗ g wamesk bezeichnet wird. Man nimmt davon in dem Umfang einer großen d 1 Erbſe oder kleinen Nuß, und manche Leute genießen täglich vier⸗ bis fünfmal 4 6 eine ſolche Doſis. In Indien thut man den Hanſſtaub in ein Säckchen, d das über ſiedendes Waſſer gehängt wird, ſo daß das Pulver naß wird und d durchgeſeiht werden kann. Der grüne Saft trocknet raſch, und iſt im ganzen Orient unter dem Namen Bengali bekannt. Manchmal verſetzt man ihn p 1 auch mit ein wenig Zimmt, Roſenknospen, Gewürznelken, Opium und Saf⸗ 1 ran und bereitet aus dieſer mit Roſenwaſſer angefeuchteten Maſſe eine Anzahl 1 von Pillen, die entweder verſchluckt oder mit Tabak geraucht werden. Der Orientale genießt Haſchiſch, um Geſichte hervor⸗ zubringen, die ihn in das Paradies zaubern. In nordiſchen Klimaten iſt die Wirkung viel ſchwächer als in den heißen Ländern; auch


