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470 Der Lieutenant. Von Corvin.
ſeinen Zweck, und wäre es erſt als Hauptmann, ſo ward ihm ſeine Verbindung doch ſtets als ein Vorwurf angerechnet, und man ſuchte ihn vom Regimente los zu werden.
Daß die zu einer Offiziersheirath erforderlichen Vermögensbedingungen oftmals ſehr illuſoriſch erfüllt wurden, kann man ſich wohl denken. Die Advokaten, die zu allem Rath wiſſen, halfen auch einem ehebedürftigen Pärchen für Geld und gute Worte darüber hinaus. Da wurden Grund⸗ ſtücke ſehr hoch taxirt, Dokumente von dieſen Perſonen auf andere übertragen und heimlich Gegendokumente gemacht,(fingirte) Schenkungen bewerkſtelligt, — kurz wer abſolut heirathen wollte und nicht grade ganz und gar mittel⸗ los war, fand auch die 12,000 Thaler, oder doch die Zinſen. Wie das Paar dann in der Ehe mit dieſen papiernen Zinſen auskam, war wenig⸗ ſtens nicht Sache des Advokaten.—
Es war wohl natürlich, daß die Offiziere, welche ſich ſchon aus dem Kadettenkorps kannten, zuſammenhielten. Bei unſern beiden Regimentern gab es eine ziemliche Menge, und mit mir zugleich waren mehrere als Offi⸗ ziere, Fähnriche oder Unteroffiziere nach Mainz gekommen. An ein Zuſam⸗ menleben gewöhnt, wohnten oft zwei und manchmal drei dieſer Offiziere in derſelben Wohnung, was manche geſellige und pekuniäre Vortheile brachte, da nur eine Miethe zu bezahlen war und im Winter drei Perſonen nicht mehr Heizmaterial brauchten als eine, während dreifaches Service und drei⸗ faches Holzgeld der kleinen Gemeinſchaft zu gut kam. Ich blieb vorläufig allein, da ich eine Dienſtwohnung hatte und es den mit mir gekommenen Kameraden ebenſo ging. Mein liebſter Freund war damals Theodor von S., mit dem ich am häufigſten zuſammen war, ſchon weil wir bei einer Kom⸗ pagnie ſtanden. Er war zwei oder drei Jahre älter als ich und viel bei mir, denn wir hatten uns herzlich und aufrichtig lieb. Da er die Guitarre ſpielte und hübſch dazu ſang, ſo ſchaffte ich mir denn auch einen„Seufzerkaſten“ an und fing an zu lernen; allein als ich einſt im Zorn meine Guitarre gegen den eiſernen Ofen zerſchlug, hatte mein Geklimper bald ein Ende. Ich ſchaffte mir jedoch Malgeräthſchaften an und vertrieb mir die Zeit mit dem Verderben reiner Leinwand, denn mein Malen wollte leider nicht viel be⸗ deuten.
(Fortſetzung folgt.)
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