Von Karl von Holtei. 13
verſtändlicher Vorſchlag zu Theil geworden, mir den Hof der„nordiſchen Semiramis“ ein bischen anzuſehen. Von einer Sendung darf natürlich die Rede nicht ſein. Ich muß aus eigenem Antriebe die Luſt, die unbe⸗ zähmbare Leidenſchaft kund geben, ein mir fremdes Stück Erdboden kennen zu lernen, muß umſtändlich und normalmäßig um einen Reiſeurlaub ein⸗ kommen und folglich auch die Koſten tragen, wie Einer der ſeine Luſt zu büßen hat. Und da Ihr Sohn, auf den eine ſo ehrenvolle Wahl aus Hunderten heraus doch lediglich um ſeines hochgeachteten und beim Monar⸗ chen beliebten Vaters willen gefallen iſt, Ihnen keine Schande machen, ſondern nur ſplendid reiſen darf, ſo entſteht die Frage, ob Ihre Kaſſe kein veto einlegt?“
Die Erwiderung auf dieſe Mittheilung erfolgte nicht ſogleich. Es hatte faſt den Anſchein, als wäre der Angeredete, der dem Eingange geſpannte Aufmerkſamkeit, dem Verfolge freudige Ueberraſchung widmete, durch die den Schluß ſo plötzlich bildende Frage unangenehm erſchreckt worden. Doch er wußte ſich gleich zu faſſen und gewann die ihm eigen⸗ thüͤmliche phlegmatiſche Wohlhäbigkeit wieder, ehe noch Iſidor das Geringſte bemerken konnte. War dieſer ja doch ſo feſt von des Vaters geregelten Vermögenszuſtänden, wie von deſſen ſtets bereitwilliger Freigebigkeit überzeugt, daß er jene Schlußfrage bloß geſtellt, um der Form zu genügen. Auch ging Baron Armoni für's Erſte darauf gar nicht ein, ſondern ent⸗ gegnete:„Es ſollte mich wundern, mein Sohn, wenn ſich nicht ein veto gegen dieſe etwas abenteuerliche Reiſe aus dir ſelbſt erhöbe. Wie verträgt ſich eine mehrmonatliche Trennung von hier mit deinen Herzensangelegen⸗ heiten? Iſt es klug, ſich zu entfernen, bevor man ſeiner Sache vollkommen gewiß, bevor man des Sieges über gefährliche Mitbewerber ſicher ſein darf? Ein altes Sprichwort behauptet: Aus den Augen, aus dem Sinn! Oder ſeid ihr ſchon im Reinen? Iſt die Reiſe nur ein Umweg zum Ziele, um vielleicht mit einem Orden decorirt vor die Braut zu treten?“
„Wir ſind völlig im Reinen, Vater. Ich habe Leonore aufgegeben, ſie mich. Die Bewerber um ihre Hand haben für mich aufgehört„Mit⸗ bewerber“ zu ſein, denn ich bin nicht mehr ihres Gleichen. Ich räume willig das Feld, und damit kein Zweifel obwalte über meinen unwider⸗ ruflichen Entſchluß, iſt es mir ſehr willkommen auf längere Zeit abweſend zu bleiben. Ich entgehe dadurch auch der Möglichkeit, einen Gewiſſen zu zuchtigen, wozu ich mich, verweilte ich hier, doch vielleicht verleiten ließe.


