Jahrgang 
3 (1860)
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Von Karl von Holtei. 9

Schaar auf zwei Beinen hüpfender, zierlich geputzter, ſtutzerhafter Schooß⸗ hunde, die überall zu lecken und zu ſchlecken bereit ſich einſchmeicheln wollen. Es ekelt mich an, ihr ewigesKüſſ' die Hand zu vernehmen, wo der ver⸗ ſtändige MannGuten Tag!Leben Sie wohl! oderIch danke! ſagt. Die Hand, die mir allein zum Kuſſe dargeboten, ſich jeder Berührung anderer Lippen entzöge, die unentweihte Hand, welche einen Unterſchied zu machen wüßte zwiſchen dem Munde, der jegliches Wort wiegt, und den Sprechwerkzeugen ſußlicher, nichtsſagender Schwätzer ich wähnte einſt ſie gefunden zu haben! Ich täuſchte mich. Es iſt eben auch eine gewöhnliche Hand!Sie wird nie mehr die Ihrige berühren, Herr Baron, deſſen ſeien Sie ſicher. Auch im Tanze nicht. Ich bitte Sie, meines Vaters Haus zu meiden. Wir haben uns nie gekannt.

Sie verließ ihn. Er fühlte, daß er zu weit gegangen; er ahnte, daß er ihr Unrecht gethan. Er wollte ſie noch einholen, wieder einlenken zu ſpät! Conſtantin empfing ſie und führte ſie zum Tanze.So iſt es denn aus! ſprach Iſidor, und entfernte ſich aus der Geſellſchaft. Als er die Treppen hinabſtieg ſeufzte er:dieſe Stufen werd' ich nie mehr betreten.

Leonorens Mutter gehörte zu jenen vortrefflichen Frauen, die aus ſtiller friedlicher Heimat an den Traualtar geführt und von dort plötzlich in das Geräuſch der großen Welt geworfen, vollkommen bei Beſinnung blei⸗ ben, ſich ſelbſt niemals untreu werden und die frommen heiligen Eindrücke ihrer Kinderzeit mitten im Strudel der Umgebungen feſt halten. An ihres Mannes Wuͤnſcheein großes Haus zu führen, war ſie freilich gebunden, und konnte ihm nicht widerſprechen, wenn er es nothwendig fand, die ver⸗ ſchiedenartigen Perſönlichkeiten, mit welchen oder durch welche er ſeine koloſ⸗ ſalen Geldgeſchäfte betrieb, gut zu bewirthen, ihnen, wie er es nannte,zu eſſen zu geben, ſie tanzen zu machen. Traten ſolche Nothwendigkeiten ein, dann förderte ſie mit allem Eifer einer umſichtigen und geſchmackvollen Hausfrau die Anſtalten dazu, und wie Küche und Keller berühmt waren, ſo mangelte auch gewiß niemals das Geringſte an äußerlicher Ausſtattung. Großhändler Enoch's Gaſtgebote durften mit allen übrigen der großen Stadt wetteifern, und Madame empfing bei ſolchen Gelegenheiten die Anerkennung der vornehmſten Leute in huldreich⸗verbindlichen Dankſagungen, die ſie be⸗ ſcheiden hinnahm, ohne ſich nur auf einen Augenblick aus ihrem Gleichge⸗