8 Der Handkuß.
nicht ungehorſam ſein,“ rief Conſtantin;„ſo ſchwer es mir fällt, ich gebe das verlangte Ehrenwort.“—„Schön!“ ſagte der Hauptmann, wobei er Liebfromms Naſe ſo ſcharf betrachtete, daß dieſer unwillkürlich darnach griff. Leonore gab ihm einen Wink, er möge ſie mit Iſtdor allein laſſen, und er gehorchte gern.
Abermals empfand die Jungfrau eine Neigung ihrem Herzen nachzu⸗ geben; abermals fühlte ſte ſich durch des Geliebten kalten Ernſt abgeſchreckt, und ſein Stolz erregte den ihrigen auf's neue.„Baron,“ hub ſie an,„ich bin es müde für ein Spielwerk Ihrer Launen, meinen Freundinnen für einen Gegenſtand des Spottes zu gelten. So unſchicklich es auch gefunden werden mag, daß ich mit Ihnen in dieſer Ecke ein Zwiegeſpräch pflege,— ich ziehe das den Kränkungen vor, welche unſer halbes, unklares Verhältniß mir fortdauernd bereitet. Sie benehmen ſich, als wenn Sie irgend ein Recht auf mich zu haben wähnten, und thun doch ſtets das Gegentheil von allem, was ein ſolches Recht Ihnen erwerben oder— bewahren könnte. Sie be⸗ handeln mich achtungslos, Sie—.“—„Sie beleidigen mich, meine Dame! Ein Mann von Ehre und Bildung kann und wird Ihnen die Achtung nie verſagen, die Ihnen gebührt. Ich fordre Sie heraus, mir den kleinſten Umſtand zu bezeichnen, wodurch ich die Pflichten der guten Sitte verletzt haben könnte, die ich dem weiblichen Geſchlechte überhaupt, die ich Ihnen insbeſondere ſchuldig bin.“—„Sie fordern auch mich heraus? Nun ja, Sie ſind einmal im Zuge. Ich ſtehe Rede. Wenn eine Dame,— nein, ſagen wir: ein junges Mädchen, dem Sie unlängſt noch lebhaft huldigten, Ihnen nach beendetem Tanze die Hand darbietet, und Sie es nicht der Mühe werth finden, Ihren Nacken ein wenig zu beugen, und die dargebotene Hand zu küſſen, — nennen Sie das einen Beweis von Achtung?“—„J ja!“—„Aber wiſſen Sie, das Ihr„in meinem Sinne“ an Wahnſinn grenzt? Eine ſolche Kränkung vor Zeugen—“
„Eben weil die junge Dame vor Zeugen mir zumuthete, dieſen banalen Akt bedeutungsloſer Allerweltsartigkeit auszuüben, hielt ich es der Achtung, die ich für mich und für Sie hege, entſprechend ihn zu verweigern. Das hier zu Lande beliebte, gebräuchliche Handkuſſen widert mich an. In kind⸗ licher Ehrfurcht würd' ich die Hand meiner Mutter küſſen, wenn ich ſo glück⸗ lich wäre, noch eine Mutter zu haben; in zärtlicher Unterwürfigkeit würd ich die Hand der Geliebten küſſen, wollte dieſe ſie mir— ohne Zeugen— überlaſſen. Im Uebrigen kann ich nicht dienen. Ich gehöre nicht zu jener
In meinem Sinne,“


