Jahrgang 
3 (1860)
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Von Karl von Holtei. 3

Obgleich nun Ritter Liebfromm vom Vater, der ihn protegirt und für ſein Amt examinirt hatte, fortdauernd begünſtigt wurde, hielt ſich der Sohn ziemlich fern von ihm. Ja der Hauptmann und der Reichshofraths⸗ Anwalt galten für entſchiedene Feinde, was jedermann auf ihre Nebenbuh⸗ lerſchaft um Leonorens Gunſt ſchob, und was der weltmänniſche, gewiegte, friedliebende Hofrath durchaus nicht ſchwer nahm.Mag mein Iſidor, ließ er verlauten,nur zuſehen, wie er mit dem lieben Mädchen ſich ſtellt. Mir wird ſie eine höchſt willkommene Schwiegertochter ſein, aber ich werde wahrlich die Verdienſte meines fleißigen, unterrichteten, beſcheidenen Lieb⸗ fromm nicht weniger ſchätzen, oder ihn gar anfeinden, wenn es ihm gelingen ſollte, dem Hauptmann den Rang abzulaufen. Das ſind keine Amtsſachen; das muß ſolch junges Völkchen unter ſich abmachen.

So ließ Baron Armoni der Vater gern verlauten. Ob er es genau ſo meinte? Ob er nicht, von Iſidors Vorzügen durchdrungen, ganz ver⸗ ſchieden dachte? Das wollen wir fuͤr jetzt nicht unterſuchen. Wer aber wirklich ſo verſtändig und human dachte, das war Vater Enoch, dem ein ſchwerer Stein vom Herzen fiel, da er den Hofrath ſich zum erſtenmale in dieſem Sinne expectoriren hörte. Denn es wäre dem in mancherlei Speku⸗ lationen mehr oder weniger von Armoni's vermittelnder Gefälligkeit abhän⸗ gigen Großhändler höchſt peinlich geweſen, mit ſeinen Rückſichten fuͤr ſolch wichtigen Gönner, und mit ſeinen Anſichten von den perſönlichen Vorrechten einer heißgeliebten Tochter in Konflikte zu gerathen. Lange hatte ihn der Gedanke gequält, der Baron könne über kurz oder lang Leonorens Hand für Iſidor fordern und Leonore könne ihr Jawort verweigern. Dieſe Furcht verſchwand vor des Gönners liberalen Aeußerungen, zum Theil auch ſpäterhin wohl vor allerlei Gegengefälligkeiten, die der Großhändler, der Geldmann, dem von der Gelehrtenbank auf die Herrenbank des Reichs⸗ hofrathes promovirten, nur mit 4000 Gulden W. W. beſoldeten Staats⸗ manne durch baare Darlehen gern erwies. Genug, beide Väter wiederholten zweiſtimmig:das muß ſolch junges Völkchen unter ſich abmachen.

Durften nun Iſidor und Conſtantin für die nächſten und bevorzugten Bewerber um Leonore gelten, ſo fiel doch den Beobachtern ihres beiderſeiti⸗ gen Verfahrens die große Verſchiedenheit auf, womit ſie zu Werke gingen. Der Eine, dem ſein Stand nur eine Feder als Waffe verliehen, drängte ſich Voll Selbſtvertrauen vor, zeigte ſich ſeiner Sache faſt gewiß, ſah über die Achſel jedweden an, der etwa der ſtolzen Dame ſich zu nähern verſuchte,

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