Jahrgang 
2 (1860)
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478 Allerheiligen.

ſpecies:Ueberall und nirgends, uns ruft freundliche Einladung zum Abendtiſch ins Förſterhaus. Auch hier iſt nichts von Hotelſitte zu ſpüren es iſt ein Familientiſch, um den ſich die anweſenden Gäſte mit reihen. Der alte Förſter präſidirt:nehmen Sie Platz, geniren Sie ſich nicht, laſſen Sie ſich's ſchmecken! und man läßt ſich das nicht zweimal ſagen, man jißt gut, reichlich, billig, und wenn Einem der Hausherr auch ausdrücklich wider gegen alle Gaſthofsregel verſichert:Sie brauchen keinen Wein zu trin⸗ ken, wenn Sie nicht wollen; ganz ungenirt! ſo läßt man ſich doch den guten Tropfen munden, den Herrn Mittermaiers Keller birgt, und, wie es ſo in ſolch gemuͤthlichem kleinem Kreiſe geht, man hat ſich mit denen, die da mit Einem am Tiſche ſitzen, raſch gefunden; die Unterhaltung wird lebhaft, man ſetzt ſie draußen unter den Bäumen oder droben im großen Saal, wo ein Klavier ſteht und doch einer oder der andere von den Gäſten auf ihm etwas zu bieten vermag, noch fort, bis der alte Förſter ſeine Mütze ab⸗ nimmt, eine geruhſame Nacht wünſcht, und dann bald auch Einer nach dem Andern in den behaglich eingerichteten Zimmern ſich verliert, um von des Wandertages Mühen auszuruhen, zu ſchlafen und zu träumen.

Hat ſich in deine Träume vielleicht jenes Bild eingeſchlichen, das du in dem Schwarzwaldſagencyclus in der neuen Trinkhalle in Baden geſehen, und über dem du auch die UeberſchriftAllerheiligen geleſen haſt? Ein ſchönes Mädchen ſitzt in Felſenwildniß am ſtuͤrzenden Waſſerfall; entſetzt ſteht ſte einem Raben nach, der ein funkelndes Geſchmeide im Schnabel, über ihrem Haupte zur ſenkrecht emporſtarrenden Felswand auffliegt. Es iſt Elmy, das ſchöne wilde Zigeunerkind; Hartmunds, eines Kloſterſchülers, Liebe iſt ihr ganzes Glück, ein koſtbares Armband, das er ihr geſchenkt, ihr reichſter Schmuck. In ihm ruht das Wohl ihrer Zukunft, iſt ihr prophezeit worden, mit ihm ſei auch dieſes dahin, aber doch muß ſie es immer wieder betrachten, ſich daran freuen, wenn ſich das klare Geſchmeide ſo hell in den blitzenden Wogen des Grindenbachwaſſerfalles ſpiegelt. So hat ſie es ein⸗ mal wieder hervorgenommen, und wie ſie es hin und her wendend in ihren Schooß fallen läßt, rauſcht es neben ihr, ſchwarze Fittige ſchlagen ihr ins Geſicht ein Rabe hat das Armband geraubt und trägt es ſeinem Neſte zu. Jammernd, händeringend ſchaut ſie dem geflügelten Räuber nach, und weder des Geliebten Tröſtungen, noch ſein Verſprechen, ihr das Geraubte zu erſetzen, vermögen ſie zu beruhigen. Da verſpricht er, ihr das Armband wieder zu verſchaffen. Er beſteigt den Felſen, um an einem Strick ſich

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