Jahrgang 
2 (1860)
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Allerheiligen. Von

Friedrich Lampert.

Der dunkle Wald hat dich wieder aufgenommenz ſein tiefer Schatten, ſeine duftige Kuͤhle thun dir wohl nach der Sonnenſchwuͤle, in der du eben das Cappler Thal durchwandert haſt, und die dir faſt den ganzen friſchen Genuß dieſes weichen, lieblichen Schwarzwaldthales verkümmert hat. Lang⸗ ſam, ruhend dazwiſchen, immer wohliger die allmälig heranwehende Abend⸗ kühle einathmend, ſteigſt du die Höhe hinan. Da iſt ein freier Waldplatz. Die Wege ſcheiden ſich. Nach Rippoldsau zeigt der eine Arm des einfachen Wegweiſers; die breite Fahrſtraße folgt dieſer Richtung; man ſieht ihr's an, daß ſie nicht viel Intereſſantes in ihrem Gefolge haben wird, ſie fängt ſich ſchon etwas monoton, langweilig an; aber jener Fußweg dort, der da wieder durch die dichten, hohen Tannen, über das weiche Moos hin in den Wald hineinſchluͤpft, wie ganz anders muß ſich's auf dem gehen!Nach Allerheiligen heißt's für ihn. Das iſt dein Ziel.

Allerheiligen was denkſt du dir dabei? Der Name läßt dich wohl ſo etwas Klöſterliches, Kirchliches vermuthen, allein findeſt du eine ſtattliche Abtei mit großen, dunklen Fenſtern, alter, hoher Kirche, wohl gepflegten Gärten, in deren Räumen dir die dort hauſenden gaſtlichen Väter eine Stunde ruhenden Bleibens vergönnen? Oder liegt ein Dorf vor dir, das vielleicht von irgend einem benachbarten, noch blühenden oder längſt ver⸗

geſſenen Wallfahrtsort ſeinen Namen hat, ein Dorf, hübſch, freundlich, wie

alle dieſe Schwarzwalddörfer ſind, in dem ein behagliches Gaſthaus mit aller dem müden Fußwanderer ſo doppelt angenehmen Erquickung deiner wartet? Trittſt du aus der Waldeseinſamkeit wieder heraus auf die laute, den raſt⸗ loſen Hin⸗ und Herzügen aus aller Herren Ländern geöffnete Hauptſtraße,