472 Von Bologna nach Florenz. Von Hermann Reuchlin.
tation hörte auf. Als wir aber erſt neben einer Kapelle vier verkruͤppelte Cypreſſen gefunden hatten, ſo währte es keine halbe Stunde mehr, da ragten nicht bloß herrliche Cypreſſen, ſondern lange Reihen von Oelbäumen in den blauen Himmel; hie und da ein kaſtellartiges Dörfchen auf dem Berges⸗ gipfel, gar häufig ſahen ſchon einzelne Häuſer ſo aus.
So ſpät auch dieſes Jahr der Fruͤhling ſelbſt hier angebrochen iſt, ſo wurden doch am 8. Mai ſchon viele hunderte von Körben voll Maiblumen, Kamelien, auch Roſen zu Markt gebracht. Der Oelbaum aber mit ſeinem mattglänzenden, gräulichen Blatte, die Cypreſſe, die Pinie geben Florenz und ſeiner Umgegend den Charakter. Dieſes liegt recht an der Stelle, wo das unabſehbare Wirrniß und Labyrinth des Apennin, im Zuſammenſtoß einiger ſich gegen einander aufſchließender Thäler zur Ordnung, zur Ruhe, zur Verſöhnung kommen; möchten auch andere Wirrniſſe der Völker, der Geiſter eine ähnliche, eine ebenſo edle und liebliche Verſöhnung finden!


