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Von Hermann Reuchlin. 471
von braven öſterreichiſchen Familien brachte und ſo bis in die Zeiten zurück, wo in Folge des von Rudolf, dem erſten Habsburger, in Deutſchland auf⸗ gerichteten Landfriedens jedes Jahr Heere von Geſindel unter dem Urslin⸗ gen(bei Rottweil),„dem Feinde Gottes und alles Erbarmens,“ und unter Seinesgleichen nach Italien zogen, wenn ich ſehe und höre, wie in dieſe tief klaffende Wunde noch Gift und Galle gegoſſen wird— ſollen denn zwei Völker, wie das deutſche und das italieniſche, dazu geſchaffen ſein, ſtets eines der Fluch des andern zu ſein?
Ich hätte wohl lieber das Schickſal meiner Reiſegenoſſin verſchwiegen, da es mir nahe ging; aber was hilft das Schweigen? Da muüßten ja die Steine reden. Wir fuhren heute an ſo manchem Berge vorüber, der einem erloſchenen Vulkan ſo ähnlich ſah, wie ein Ei dem andern; Gott gebe, daß auch dieſer Vulkan von Haß und Fluch, nach zwei Seiten hin zerſtörend, erlöſche und die Palme des Friedens an ſeiner Stätte wurzle.
Ein Anblick gewährte mir eine Freude; wir langten nach ſieben Stun⸗ den Fahrt an einem ſtattlichen Gebäude an; vor einem Jahre war es die Douane Toskanas gegen den Kirchenſtaat,— umgekehrt gewiß nicht, denn es war, wie geſagt, ein ſtattliches Gebäude. Dieſes jetzt leer ſtehen zu ſehen, i*ſt für uns beinahe ſo tröſtlich, als für unſere Voreltern ein zerſtörtes Raub⸗ ritterſchloß. Wer all die Noth mit Päſſen und Zöllen, dieſe miſerable, feige Plünderung durch die Thorſchreiber der kleinen Fuͤrſten, z. B. auf der öſtlichen Riviera von Genua ſelbſt durchgemacht hat, der freut ſich gewiß herzlich, daß von den Alpen bis zur Adria und den Maremmen von Tos⸗ kana die Hinterhalte dieſer allerletzten Ritter gebrochen ſind. Nur der Oktroi der Stadt Florenz macht noch einigen Aufenthalt. Nichts verführt das mit dem Fremden verkehrende Volk ſo ſehr zum Betrug, als die Ver⸗ ſchiedenheit der Münzen von Stätchen zu Stätchen und die Unwiſſenheit der Fremden darin. Reist man jetzt ſchon angenehmer und in der Ro⸗ magna ohne Vergleich viel ſicherer, als vor wenigen Jahren, ſo wird der Fremde in Italien vollends leicht thun, wenn Einheit der Münze herge⸗ ſtellt iſt.
So ſchön und mannigfaltig mitunter die Ausſichten auch auf Schnee⸗ berge, auf finſtere Schluchten, auf geſegnete Thäler waren, ſo war doch in dieſem Wechſel wieder eine gewiſſe Eintönigkeit. Vielleicht war ich auch nicht mehr in der Stimmung dazu. Wir kamen ſelbſt bis nahe an Schnee⸗ reſte; an der Straße waren Signalſtangen für den Winter, denn alle Vege⸗


