468 Von Bologna nach Florenz.
die Berſaglieri ſtanden. Von hier aus beſchoß das Lichtenſteiniſche Corps am 8. Auguſt 1848 die Stadt, und das Haus neben unſerer Bierbrauerei wurde in ſeiner Front gegen den Platz von den Kanonenkugeln übel zuge⸗ richtet. Es thut Einem im Herzen wehe, wenn man auf der Stadtſeite der Montagnola ſtehend ſich in jene Scene verſetzt; man ſieht gerade von hier aus beinahe lauter Monumente kirchlichen und bürgerlichen Kunſtfleißes, Kirchen, ihre Thuͤrme, die berühmten mehr oder weniger hängenden Thürme, manchmal den einen über dem anderen. Kurz die Stadt ſtellt ſich hier, mit wenigen Privathäuſern im Vordergrunde, ſo dar, wie die alten Holzſchnitte die Städte gaben, wie Guido Reni in jenem herrlichen Gemälde, mit der am Leichnam Chriſti trauernden Maria, ſeine Vaterſtadt Bologna darſtellte. — Wie friedlich war dagegen das Lebensbild am Sonntage! Auf den dazu freigegebenen Raſenplätzen der Montagnola wälzten ſich die Kinder, und die genügſamen Frauen des Bürgerſtandes ſaßen ohne Wirthshausfreuden fröh⸗ lich daneben.
Im Ganzen hat der Baumſchlag bei Bologna, außer etwa der Cypreſſe, nichts ſonderlich Südliches; zwar war mir wenige Tage zuvor der blätter⸗ reiche Stand der„Seidenbäume“ hier, ſchon im Vergleich mit Parma, auf⸗ gefallen, allein dieſe fand ich noch ziemlich hoch hinauf am Apennin, wenn auch minder entwickelt. Etwas ſteigt gegenwärtig hier kräftig aus der Erde hervor, es war mir ſchon auf der Spitze von St. Luca und den Ausläufern derſelben aufgefallen und nun wieder kurz vor dem Thore von Bologna auf der Florentiner Straße, unmittelbar vor einer ſchönen Villa, es dürfte in die Familie der Cactus gehören, es ſind nämlich von den Piemonteſen auf⸗ geführte ſtarke Schanzen.
Obgleich einige künſtliche Waſſerfälle des Gebirgsflüßchens das Thal ſchmücken, bietet die erſte ebene Poſtſtation nichts Beſonderes. Bei dem erſten Umſpann aber konnten wir ausſteigen, und mit Freuden wanderte ich gegen eine Stunde bergauf. Viele Akacien mit gewaltigen Stacheln ſchützen das Eigenthum gegen praktiſchen Kommunismus. Unter den fremderen Pflanzen heraus ſahen mich auch heimatliche, wenn daheim auch einen Monat ſpäter blühende, Blumen recht landsmänniſch freundlich an. Man ſollte auf die Gewächſe in Wald und auf der Wieſe daheim ſchon deßhalb mehr achten, um ſie in der Fremde als Landsleute begrüßen zu können. Wer aber die Veränderung unſerer Pflanzen auf dem Boden Italiens, oder deſſen eigen⸗ thümliche Pflanzen⸗, wie Thierwelt vor oder nach einer Reiſe kennen lernen


