Jahrgang 
2 (1860)
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Von BVologna nach Florenz. Von

Hermann Reuchlin.

Florenz, 8. Mai 1860.

Ueber die Charakterverſchiedenheit von Land und Leuten im Nord⸗ oſten und Südweſten des Apennin iſt ſchon vielerlei geſagt; aber etwas Durchſchlagendes iſt kaum zu formuliren, außer daß der Nordoſt eine gewiſſe Monotonie beſonders in ſeinen Küſtenlinien hat. Ueber das Volk iſt ſchon darum etwas Kurztreffendes nicht aufzuſtellen, weil es überaus wechſelt nach Elementen und äußerer Erſcheinung. So iſt viel griechiſches, auch albane⸗ ſiſches Blut den weicheren Italienern um Bari, Tarent beigemiſcht, während der Romagnole ein derber, handfeſter Menſchenſchlag iſt.

Die Königin der Romagna, beinahe zu ſtolz, um ſich ganz mit dieſer zuſammenzurechnen, Bologna, unweit des Gebirgsfluſſes Reno, am Fuß der Vorberge des Apennin, bietet nicht bloß über die meeresgleiche, fette Ebene bis zur Adria eine charakteriſtiſche Ausſicht; folgen wir dem eine Stunde langen bedeckten Gange bis auf die Spitze von St. Luca, ſo ſtrecken ſich lange, ſchöne Züge des Apennin vor uns aus, nach den verſchiedenſten Rich⸗ tungen auseinander laufend; bis in den Juni ſind einige von St. Luca aus ſichtbare Bergrücken in Obermodena mit Schnee bedeckt. Abends fühlten wir wohl die rauheren Lüfte vom Gebirge in der alten Kolonie der Bojer unten, welche wahrſcheinlich von ihren Gründern her durch ihr Bier berühmt iſt.

Treten wir aus der nördlichſtenFabrika dieſes Göttertranks der bojariſchen Walhalla heraus, ſo liegt der ſchattenloſe Waffenplatz vor uns, welcher vor wenigen Tagen durch die Heerſchau belebt war, welche Viktor Emanuel am 3. Mai über die Brigade Savona abhielt. Unmittelbar dar⸗ über ſteigt, eben noch innerhalb der Stadtmauer, ſanft die Montagnola an, wo unter dem Schatten des noch zarten Laubs der Akacie und der Platane 30*