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Von Karl Seifart. 459
ſüchtigen und ewig tretenden ordinären Philiſter, den Magen, iſt der aber befriedigt, ſo geben wir das Gold des edlen Weins freudig und mit vollen Händen den nobeln Geiſtern, die in Kopf und Herzen wohnen, und dankbar ſchmücken ſie uns dafür die Erde zum Himmel aus.—„Kinder, das Leben iſt doch ſtellenweiſe ſehr ſchön!“ ſoll ſchon vor mir ein griechiſcher Weiſer, Namens Ariſtipp, geſagt haben. Der Mann hat vollkommen recht, und hätten wir nicht früher ſchon dieſen tiefen Gedanken erfaßt, ſo würde er uns jetzt zum Bewußtſein kommen, während der Dampf der narkotiſchen Cigarre in blauen Wölkchen das blinkende Glas umſpielt und helle Stimmen fröh⸗ licher Menſchen zu uns herauf tönen.
Es wird lebendig draußen, und auch wir wollen jetzt, gegen die ſchäd⸗ lichen Einflüſſe der Luft vollkommen geſichert, die Bretterbude verlaſſen und auf das ſonnige Plateau hinaus treten. Dort an dem langen Tiſche haben zechende Studenten Platz genommen, und hier am Bergfried vertheilen geſchäftige Hausfrauen die raſſelnden und klappernden Kaffeetaſſen unter einer bunten Reihe von Herren und Damen. Es wird Zeit, daß wir uns ein gutes Plätzchen ſichern, denn die vorhin ſo öden Ruinen werden immer belebter, und neue Ankömmlinge zeigen ſich auf allen Zugängen des Berges. Wir belegen uns mit Glas und Flaſche ein hübſches, ziemlich verſtecktes Plätzchen im Oſten an einem ſoliden Steintiſche und treten nun ruhig unſere Wanderung durch die Ruinen an, deren gewaltige Dimenſionen und Thuͤrme uns überzeugen, daß wir uns hier nicht in den Ruinen eines bloßen Burg⸗ ſtalls oder⸗Steins, ſondern in den Reſten einer großen„Hofburg“ befinden, welche einſt als ein mächtiger Prachtbau majeſtätiſch in die weiten Lande ſchaute.— Der freie Raſenplatz hier unter uns, auf der öſtlichen Seite, war ohne Zweifel der Hauptplatz des zwiſchen der innern und äußern Mauer rings um die Burg laufenden Zwingerhofs, der Schutt der eingeſtürzten Mauerthürme und der Wirthſchaftsgebäude, welche ſich an der äußern Zwingmauer entlang ausdehnten, hat den früher ebenen Boden in einen hügeligen Abhang verwandelt. Hier ſchaarten ſich die Ritter zum fröhlichen „Tioſt“ und ſchallenden„Buhurd“ zuſammen und zeigten ihre Waffen⸗ künſte vor dem Kranze der ſchönen Frauen, die mit„minniglichem Danke“ der Sieger harrten. Ringsum krönten feſte Thuͤrmchen und„Wikhäuſer“ die hohe Zwingmauer, den Harniſch der Burg, der ſich ſchutzend um die zahlreichen Gebäude legte. Das hervorragendſte dieſer Gebäude war der aus dem engen Burghofe aufragende Bergfried, der hohe, maſſige Thurm,


