Jahrgang 
2 (1860)
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Eine Wanderung nach der Pleſſe. Von Karl Seifart.

(Schluß.)

Aelter und der Pleſſe eigenthüͤmlich iſt die Sage, doch halt, wir werden ſie ſpäter erzählen, denn jetzt kommt unſer Frühſtuͤck und Mittag⸗ brod, undwir wollen uns ganz dem Vergnügen des Eſſens hingeben, wie ein griechiſcher Weiſer ſagte. Der Schinken iſt vortrefflich und die Eier ſind nach der Uhr gekocht, auch der St. Julien iſt recht trinkbar, zumal nach der Hitze. Ueberhaupt wird man hier gut verſorgt. Willſt du aber einen Tag auf der Pleſſe haben, um den dich die Götter beneiden, lieber Leſer, ſo kaufe dir eine nicht zu geringe Zahl langhalſiger Flaſchen mit Rüdesheimer oder Scharlachberger, die ſchicke mit einem zuverläßigen Menſchen den Tag vor deinem Ausflug nach der Pleſſe und laſſe ſie in einen kühlen, feuchten Winkel legen. Drauf ladeſt du dir, ſo etwa bis zur Zahl der Muſen, eine Geſellſchaft von gemüthlichen Freunden und Freundinnen ein, die des Sanges kundig ſind und von welchen der eine oder andere auch wohl die Saiten einer Guitarre zu rühren verſteht, und fährſt nach Mariaſpring. Von da beſteigt ihr die Pleſſe und richtet euch oben ſo ein, daß ihr zu jedem Augenblicke ſagen mögt:O weile doch, du biſt ſo ſchön! So haben wir's auch ſchon gemacht, und nie werden wir der Tage vergeſſen.

Dies Eſſen hier in der Einſamkeit iſt nur ein halbes Eſſen, und wir wollen uns damit beeilen.Aber wenn die Begierd' der Speis und des Trankes geſtillt iſt, dann wollen wir trinken! Dies bischen war nur für den Durſt, und trinken, wenn's Durſt hat, das kann jeder Einhufer und Zweihufer und was ſonſt noch auf vier Beinen einhergeht, auch! Aber trinken ohne Durſt, das kann nur der gradaufgerichtete, vernünftige Menſch. Das Trinken aus Durſt iſt nur eine erzwungene Abzahlung an den hab⸗