Jahrgang 
2 (1860)
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Von Eduard Ziehen. 17

aus ſeinen Augen glühte eine wilde Freude.Und wollte mir jemand mit einer Tonne Goldes das abkaufen, was ich in dieſer Stunde gehört habe, rief er triumphirend,ich lachte ihn aus! Mit dieſen Worten eilte er in die Mühle, gab ſeinen Knechten einige Aufträge für den folgenden Tag, nahm Hut und Stock und wanderte raſchen Schrittes gen Süden. Wohin er gehe, hatte er keinem ſeiner Leute geſagt.

2.

Ueber dem von hohen Eichen umſchloſſenen Garten des Kloſters, welches jenſeits der bewaldeten Hügelkette lag, die ſich eine Meile ſüdlich vom Schloſſe in einem weiten Bogen von Oſten gegen Weſten hinzog, glänzte ein wolkenloſer Junimorgenhimmel; tief in den dunklen Gebuſchen ſchlugen die Nachtigallen, und hoch im blauen Aethermeer jubelten die Lerchen der goldenen Sonne entgegen, deren Strahlen ſich auf den Wellen des kleinen Fluſſes wiegten, welcher den Kloſtergarten gegen Süden begrenzte und ſich durch üppige, blumenreiche Wieſengründe dahinſchlängelte.

Unter den ſchattigen hohen Linden, die ſich am nördlichen Ende des Gartens vor der weinumrankten Thür erhoben, ſaßen an dieſem prächtigen Morgen es war einige Tage nach dem Geſpräche zwiſchen Georg und dem Müller Geyer die ehrwürdige ſechzigjährige Priorin des Kloſters, Bertha von Hellenau, und die bereits erwähnte Anverwandte der letzteren, ein junges Mädchen von etwa neunzehn Jahren, deſſen kaſtanienbraune Haare und dunkle Augen faſt auffallend gegen ihre bleichen edelgeformten Züge abſtachen. Während im Lauf der letzten Jahre mehr als die Hälfte der Nonnen das Kloſter verlaſſen und gegen die wilden Kriegsſtürme Schutz bei ihren Anverwandten in den feſten Städten geſucht, hatte es die Priorin für ihre Pflicht gehalten, als eine treue Hüterin in den altersgrauen Mauern zurückzubleiben, in denen ſie faſt ein halbes Jahrhundert hindurch gelebt hatte. Mehrere betagte Nonnen, die allein auf Erden ſtanden, hatten ſich gleichfalls nicht entſchließen können, ihren einſamen Zufluchtsort zu ver⸗ laſſen, und boten im Verein mit ihrer Oberin allen Gefahren Trotz, mit denen ſie der Krieg bedrohte. Einigen Schutz fanden die Bewohnerinnen des Kloſters an dem alten Gärtner und deſſen Sohn, die mit einem Knecht und ein paar Mägden die Arbeiten in Haus und Garten und Feld beſorgten, ſowie an den Bauern des nächſten, etwa einen Büchſenſchuß entfernten Dorfes.. Hausblätter. 1860. II. Bd. 2